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Darstellendes Spiel in den NaturwissenschaftenSubmitted by rau on 14 November 2011
Übersetzt von Bernhard Sturm
Dieser Artikel bietet eine Auswahl an darstellenden Übungen, um Naturwissenschaften im Chemie- und Physikfachraum nachzuspielen. Chemie Redoxreaktionen Dies ist eine Methode, um den Austausch von Sauerstoffatomen nach Lavoisier zwischen verschiedenen Metallatomen innerhalb der Redoxreihe zu veranschaulichen. Jeder Schüler trägt ein Mannschaftsleibchen in einer von drei Farben, die für die Atome von Sauerstoff und von zwei unterschiedlichen Metallen stehen. Es sollte dabei die gleiche Anzahl von jeder Farbe vorhanden sein. In Gruppen von 8 bis 10 Schülern führen die Schüler einfache Redoxreaktionen mit 1:1-Stöchiometrie durch, wie z.B. CuO + Fe → Cu + FeO, und präsentieren diese anschließend der gesamten Klasse. Die Schüler finden oftmals sehr kreative Wege, um sowohl die Aktivierungsenergie als auch die Energieabgabe in diesen Reaktionen darzustellen. Chemische Bindung: Leitfähigkeit von Wasser (Grotthuss-Mechanismus) Radikalische Polymerisierung von Ethen zu Polyethylen Die Abstände und Bewegungen von Wasser-Molekülen unterscheiden sich im festen, flüssigen oder gasförmigen Aggregatzustand. In dieser Übung spielen die Schüler Wasser-Teilchen. Aus meiner Erfahrung heraus führt man diese aufgrund des größeren freien Platzes am besten im Gelände durch. Dabei ist es hilfreich, die Klasse in Mädchen und Jungen aufzuteilen – eine Gruppe agiert, die andere schaut zu. Der Lehrer gibt den Schülern Regieanweisungen, wie diese sich umher bewegen sollen: Beginnend mit dem Winter (0 °C) stehen die Schüler ohne Bewegung in einer Gitteraufstellung. Es wird Frühling, dann Sommer und die Moleküle bewegen sich schneller (bis 40 °C), haben aber immer noch Kontakt zueinander. Schließlich enden die Moleküle in einem Kochtopf, werden erhitzt und verdampfen (100 °C).
In jeder Phase nimmt der Lehrer einen Schnappschuss auf, indem er „Halt!“ ruft. Die Darsteller (z.B. die Mädchen) und Zuschauer (z.B. die Jungen) beschreiben, was zuvor passiert ist und was sie nun um sich herum beobachten können. Diese Übung kann abgewandelt werden, um die thermische Ausdehnung von Benzol darzustellen. 8 Schüler umstellen 20 andere mit einem locker gespannten Seil bis der Druck durch das „Erhitzen“ zu stark wird und die umstellenden Schüler gezwungen sind, das Seil fallen zu lassen. Physik Vakuum
Man kann das Gemälde An Experiment on a Bird in the Air Pumpw1 von Joseph Wright of Derby (1768) nutzen, um damit im Unterricht der Geschichte des Vakuums nachzugehen.
Nach der Diskussion wird die gesamte Szene durch die Schüler mit einer Vakuumpumpe und einem „Schokokuss“ (einem kleinen mit Schokolade überzogenen Schaumkeks) als Ersatz für den Vogel nachgestellt. Diese Übung ist dazu geeignet, die Vorstellung von Elektronen als sich bewegenden und Energie transportierenden Ladungen einzuführen. Ein Schüler stellt die Energiequelle dar (eine Batterie): er oder sie gibt Gummibär-Tütchen aus (Energie). Auf der anderen Seite des Unterrichtsraums steht ein anderer Schüler als „Verbraucher“ von Energie: er oder sie sammelt die Gummibär-Tütchen. Sie können ein paar Tische in der Mitte des Raumes nutzen, um einen Kreis zu abzugrenzen. Die restlichen Schüler repräsentieren die Elektronen: Sie stellen sich an der Energiequelle in einer Schlange an und erhalten nach und nach Gummibär-Tütchen, begeben sich dann in den „Stromkreis“, gehen zum „Verbraucher“ und liefern dort ihre Süßigkeit (Energie) ab. Der „elektrische Kreislauf“ findet so lange statt bis der ausgebende Schüler keine Tütchen mehr hat. Die Batterie ist dann entladen. Diese Übung kann auch auf Parallel- und Reihenschaltung übertragen werden. Temperaturabhängigkeit der Leitfähigkeit Diese Darstellung hilft bei der Veranschaulichung, dass die Leitfähigkeit von Metallen mit steigender Temperatur abnimmt, was ansonsten nur experimentell ermittelt werden kann. Zeichnen Sie zur Darstellung des Abschnitts eines Leiterkabels auf dem Schulhof mit Kreide ein Rechteck von 2 mal 5 Metern. Bitten Sie 20 Schüler, sich in das Rechteck zu stellen; sie repräsentieren Metall-Atome. Die übrigen 10 Schüler (Elektronen) versuchen, durch das Kabel zu laufen, während die „Atome“ entweder still stehen (geringe Temperatur) oder durch Bewegungen ihres Körpers schwingen (hohe Temperatur). Die Zeit, welche die „Elektronen“ benötigen, um den Kabelabschnitt zu passieren, wird mit einer Stoppuhr gemessen. Galileis Gesetz des freien Falls
Der Ball rollt die schiefe Ebene von unterschiedlichen Höhen aus hinab. [Kommentar des Übersetzers/Autors: Besser ist es, den Ball stets von der gleichen Höhe aus zu starten und die Rollzeit bis zu verschiedenen Querbändern (Fallhöhen) zu messen.] Schüler 4 nimmt folgende Daten auf:
In nur einer Unterrichtsstunde liefert diese Methode exzellentes Datenmaterial für die Veranschaulichung des Begriffs der Halbwertszeit, ohne jegliche komplizierte oder gefährliche Versuchsapparaturen. Ein Spielbrett mit 6 mal 6 Feldern ist mit 36 roten Spielsteinen belegt. Zwei leicht unterscheidbare Würfel werden geworfen und ihre Zahlen als x-Wert (Würfel 1) und y-Wert (Würfel 2) genutzt. Der rote Spielstein auf dem Feld, zu dem die x/y-Koordinaten der Würfel gehören, zerfällt in (wird ersetzt durch) einen blauen Spielstein. Wenn ein Zahlenpaar doppelt geworfen wird, geschieht nichts mit den Steinen, aber der Doppelwurf wird gezählt. Nach jeweils 10 Doppelwürfen werden deren Gesamtzahl (t) und die Zahl der verbleibenden roten Spielsteine (N) aufgeschrieben. Aus dem N-t-Diagramm wird die Halbwertszeit ermittelt. Um verschiedene Halbwertszeiten darzustellen, können Sie 8-seitige Würfel oder ein Spielbrett mit 8 mal 8 Feldern einsetzen oder die Regeln so ändern, dass jedes Feld 2-mal gewürfelt werden muss, bevor ein roter Spielstein zerfällt. Danksagung Einige Übungen in diesem Artikel wurden von Arbeiten anderer angeregt. Der Autor möchte deshalb seinen besonderen Dank gegenüber Pöpping (2003; Radical polymerisation of ethene to polyethylene (Radikalische Polymerisierung von Ethen zu Polyethylen)), Schreiber (2004; Physical states of water (Aggregatzustände des Wassers)), Fallscheer (2006; Electric circuit (Elektrischer Stromkreis)), Bührke (2003), Drake (1975), Hepp (2004) und Riess et al. (2005; Galileo’s law of free fall (Galileis Gesetz des freien Falls)), und Barke & Harsch (2001; Nuclear disintegration and half-life (Kernzerfall und Halbwertszeit)) ausdrücken. Referenzen Barke HD, Harsch G (2001) Chemiedidaktik heute. Lernprozesse in Theorie und Praxis. Berlin/Heidelberg, Germany: Springer. ISBN: 9783540417255 Bührke T (2003) Sternstunden der Physik: Von Galilei bis Lise Meitner. München, Germany: Beck. ISBN: 9783406494932 Drake S (1975) The Role of Music in Galileo’s Experiments. Scientific American 6: 98-104 Fallscheer H (2006) Der Gummibärchen-Stromkreis. Unterricht Physik 17: 38-41 Hepp R (2004) Mit dem freien Fall beginnen. Unterricht Physik 15: 23-26 Pöpping W (2003) Lineare und vernetzte Kunststoffe bilden. Unterricht Chemie 14: 39-40 Riess F, Heering P, Nawrath D (2005) Reconstructing Galileo’s Inclined Plane Experiments for Teaching Purposes. www.ihpst2005.leeds.ac.uk/papers/Riess_Heering_Nawrath.pdf Schreiber S (2004) Lebendiges Teilchenmodell. Unterricht Chemie 15: 15-17 Internet-Referenzen w1 – Eine elektronische Version des Gemäldes mit einer Zoomfunktion kann man auf der Internetseite der National Gallery in London, Großbritannien (www.nationalgallery.org.uk) finden oder über die direkte Verknüpfung: www.tinyurl.com/2bqhvx
w2 – Die Umrisse des Vakuumgemäldes können hier herunter geladen werden. w3 – Zur Geschichte von Galileis schiefer Ebene und von detaillierten Empfehlungen zu dessen Einführung im Unterrichtsraum siehe: www.ihpst2005.leeds.ac.uk/papers/Riess_Heering_Nawrath.pdf Weiterführende Materialien Wenn Ihnen dieser Artikel und andere Unterrichtsaktivitäten in der Ausgabe von Science in School gefallen haben, können Sie gerne auch durch unsere Sammlung von bisher erschienenen Unterrichtsaktivitäten blättern. Siehe: www.scienceinschool.org/teaching Bernhard Sturm hat im Fachgebiet Chemie am GKSS Forschungszentrum Geesthacht, Deutschland, promoviert. Inzwischen unterrichtet er die Fächer Chemie und Physik am Neuen Gymnasium, einer weiterführenden Schule in Oldenburg, Deutschland. In den letzten Jahren haben seine Schüler mehrere naturwissenschaftliche Wettbewerbe gewonnen, insbesondere mit Themenstellungen aus der Geoanalytik und zum Klima. Einer seiner Interessenschwerpunkte ist das fachübergreifende Arbeiten zwischen Naturwissenschaften, Kunst, Sprachen und Sport. Rezension Dieser Artikel gibt besondere und konkrete Anregungen, wie Lehrer Darstellendes Spiel nutzen können, um Schülern das Erlernen von abstrakten Zusammenhängen in der Chemie und Physik zu erleichtern. Die Übungen können überwiegend im Rahmen der Behandlung von kurrikularen Standardthemen eingesetzt werden. Die Tatsache, dass die vorgeschlagenen Übungen keine komplizierten oder teuren Ressourcen voraussetzen, ermöglicht ihren einfachen Einsatz im Unterrichtsraum. Lehrern werden klare und prägnante Anweisungen gegeben, wie sie kreatives Schreiben und Rollenspiel in ihrem Unterricht verwenden können. Dies macht naturwissenschaftliche Unterrichtsstunden für Schüler nicht nur interessanter, sondern bedeutet auch, dass sie sich für ihre Lernerfahrungen stärker einbezogen und verantwortlich fühlen. Es werden damit auch Schüler angesprochen, die stärker den Sprachen und Künsten zugewandt sind, weil es ihre Fantasie und Kreativität anregt. Letztendlich kann der Artikel Lehrern beim ersten Einsatz solcher Methoden in ihrem Unterricht unterstützen. Er liefert aber auch Lehrern, die bereits ähnliche Übungen in ihren Klassen einsetzen, neue Ideen. Catherine Cutajar, Malta
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