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Kunststoffe im Auto: Polymerisation und RecyclingSubmitted by minh on 22 February 2012
Übersetzt von Anne Käfer
Betrachte mit deinen Schülern einige Autos.Was wissen sie schon über die Kunststoffe, die im Automobilbau verwendet werden? Was möchten sie gerne herausfinden? Sie könnten ihre Ideen zu den verschiedenen Teilen des Autos zuordnen. (s. Tabelle unten) Tabelle 1: Verwendung von Kunststoffen im Auto
Wichtig ist, dass die Komponenten von Fahrzeugen spezifische Anforderungen erfüllen (z.B. müssen Sicherheitsgurte stark aber flexibel sein). Das bedeutet, dass ihre Bestandteile spezifische Eigenschaften haben müssen (z.B. sollte das Material nicht reißen). Es sollten also bestimmte Arten von Materialien (z.B. Polyethylenterephthalat) eingesetzt werden. Wenn die Schüler nicht selbst auf diese Zusammenhänge kommen, solltest du sie fragen, warum ein bestimmter Typ von Kunststoff sich nicht für den Automobilbau eignet.
Fig.1: Kunststoffe im FahrzeugbauAcrylnitril-Butadien-Styrol-Terpolymer: 31% Polyethylenterephthalat: 1% Polycarbonat/Acrylnitril-Butadien-Styrol-Terpolymer: 7% Acrylglas: 7% Polypropylen: 6% Polybutylenterephthalat: 5% Polyacetat: 10% Polycarbonat: 4% Polyamid: 31% Mit freundlicher Genehmigung von Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik Die Aktivitäten in diesem Artikel sprechen zwei der Punkte in Tabelle 1 an: Kunststoffe für Rücklichter und wie Kunststoffe aus Autos wiederaufgearbeitet werden. Jede Aktivität besteht aus einem Arbeitsblatt und Hintergrundinformation. Die Aktivitäten sind Teil eines Unterrichtsplans (s. Kasten) der für Schüler ab 16 geeignet ist, die in Zweier- oder Dreiergruppen arbeiten sollten. Sieh ein oder zwei Unterrichtsstunden für jede Aktivität vor. Das 'Chemie im Kontext'-Projekt Das 'Chemie im Kontext'-Projekt ist ein Projekt, das vom Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel in Deutschland koordiniert wird. Zwischen 2002 und 2008 entwickelten Chemie-Lehrer, Lehrer anderer Naturwissenschaften und Vertreter der Schulen Lern-Einheiten für die chemische Ausbildung – für alle Stufen und Arten von Schulen, wobei die Anforderungen des Lehrplans in einen Alltags-Zusammenhang gebracht wurden. Beispiele für die Quellen und Empfehlungen zum Entwickeln von weiterem Material sind online verfügbarw1. Eine Sammlung von Hilfsmitteln, die von Lehrern entwickelt wurden, kann kostenlos bestellt werden und vier der Unterrichtspläne sind frei verfügbar (alle in deutscher Sprache). Ein Textbuch und ein Lehrer-Handbuch (in deutsch) sind beim Cornelsen-Verlag veröffentlicht. Dieser Artikel ist ein Auszug aus einem der Unterrichtspläne. Der komplette Unterrichtsplan umfasst sechs verschiedene Aktivitäten, jeweils für eine der Kästen in Tabelle 1. Die Eigenschaften von Makromolekülen hängen davon ab, welche Seitenketten vorliegen; dies wiederum hängt vom verwendeten Monomer ab. Durch Verwendung von verschiedenen Monomeren bei der Bildung von Kunststoff-Polymerisaten können wir Kunststoffe für verschiedene Anwendungen im Auto schaffen. Zum Beispiel verhindern die sperrigen Seitengruppen in PMMA die Bildung kristalliner Strukturen bei der Verfestigung, die das Licht brechen würden. Amorphe Kunststoffe sind dagegen transparent; dadurch eignen sie sich als Ersatz für Glas: heller, verformbarer und weniger zerbrechlich. Wir können die radikalische Polymerisation am Treibstofftank von Autos verdeutlichen, der aus Polyethylen hergestellt ist. Polyethylen bildet sich aus Ethen (Ethylen, C2H4) in einer Reaktion, die durch Dibenzoylperoxid initiiert wird. Beim Erhitzen auf 90°C wird Dibenzoylperoxid in zwei Radikale gespalten. Wenn eines der Radikale sich an ein Ethylen-Molekül bindet, bricht die Doppelbindung des Ethylen-Moleküls auf und es entsteht ein neues, größeres Radikal. Auf diese Art startet eine Kettenreaktion, die erst abbricht, wenn zwei Radikale miteinander reagieren.
Mit freundlicher Genehmigung von Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik In unserem Versuch werden wir Dibenzoylperoxid nutzen, um einen ähnlichen Prozess zu initiieren: Statt Ethylen zur Bildung von Polyethylen zu verwenden, verwenden wir Methyl-2-methylpropenoat um Polymethylmethacrylat herzustellen. Schüler-Arbeitsblatt 1: Synthese eines transparenten Polymers Materialien
Ausrüstung für die Gruppe
Sicherheitshinweis: Benutze Handschuhe und Sicherheitsbrille und arbeite unter dem Abzug. Methyl-2-methylpropenoat, Dibenzoylperoxid und Aceton sind entzündlich; Aceton ist außerdem reizend. Alle drei müssen mit Vorsicht behandelt werden. Reste an Sudanrot dürfen nicht über das Abwasser entsorgt werden. S.a. den allgemeinen Sicherheitshinweis.
Die Reaktion dauert etwa 20 Minuten, danach sollte die Mischung sichtlich viskos sein. Lies in der Zwischenzeit die Information mit dem Titel ‘'Polymerisation: Kunststoffe für Fahrzeug-Beleuchtungen’ und erarbeite den Reaktionsmechanismus für die radikalische Polymerisation von Methyl-2-methylpropenoat. Die Kunststoffe im Auto können aber auch auf drei Arten rezyklisiert werden: als Teile, chemische Komponenten oder Brennstoff.
Schüler-Arbeitsblatt 2: Recycling von Kunststoffen im Unterricht In dieser Aktivität werdet ihr Kunststoffabfall von einer Flasche in geformte Kunststoffstücke rezyklisieren. Was ihr damit macht, ist eurer Phantasie überlassen: Schlüsselringe, Anhänger, Weihnachtsbaumschmuck.
Sicherheitshinweis: Verwende Sicherheitsglas und arbeite unter dem Abzug. Lass die Flamme nicht in direkten Kontakt mit dem Kunststoff kommen. Achte darauf, dich nicht zu verletzen. S. auch den allgemeinen Sicherheitshinweis. Versuchsdurchführung
Vergleiche die Eigenschaften des Kunststoffs vor und nach dem Recycling. Welchen Schluss kannst du über das Kunststoff-Recycling ziehen? Diskutiere in deiner Gruppe die drei Recycling-Methoden, die unter der Überschrift ‘Recycling von Kunststoffen aus Autos’ beschrieben sind, und vergleiche mögliche Anwendungen. Denke über den Versuch, den du durchgeführt hast, nach: Welche möglichen Anwendungen gibt es für deinen Kunststoff? Untersuchung von Kunststoffen mit Röntgenstrahlen
Referenzen Capellas Espuny M (2009) A new look into fibre-reinforced composite materials. ESRF News 50: 12-13. www.esrf.eu/UsersAndScience/Publications/Newsletter Internet-Referenzen w1 – Nähere Information über das Projekt (in Englisch und Deutsch) und Herunterladen der Quellen (in Deutsch), s. Chemie im Kontext website: www.chik.de w2 – Ein internationales Forschungszentrum in Grenoble, Frankreich. ESRF erzeugt Röntgenstrahlen mit außerordentlicher Helligkeit, die von Tausenden von Wissenschaftlern in der ganzen Welt jedes Jahr genutzt werden. Nähere Information, s.: www.esrf.eu w3 – Mehr über EIROforum, s. www.eiroforum.org Weiterführende Materialien Mehr über das Projekt 'Chemie im Kontext' s.:
Eine Drama-Aktivität über die radikalische Polymerisation von Ethylen zu Polyethylen im Unterricht, s.:
Mehr über die Erforschung von bioabbaubaren Kunststoffen s.:
Möchtest du vielleicht alle Chemie-Artikel in Science in School überfliegen? s.: www.scienceinschool.org/chemistry Dr. Marlene Rau ist in Deutschland geboren und in Spanien aufgewachsen. Nach ihrer Promotion in Entwicklungsbiologie am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg, Deutschland, studierte sie Journalismus und ging in die Kommunikationswissenschaft. Seit 2008 ist sie eine der Herausgeberinnen von Science in School. Peter Nentwig ist gerade ausgeschieden als leitender Wissenschaftler am Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. Seine Hauptinteressen waren die Ausbildung von Lehrern und Projekte wie 'Chemie im Kontext', die zum Ziel haben, das wissenschaftliche Interesse und die wissenschaftliche Bildung bei Schülern der Sekundarstufe zu fördern. Rezension Die Chemie wird von Schülern gewöhnlich als weit entfernt und gefährlich angesehen, aber wir sind von ihr umgeben und sie spielt eine große Rolle bei der Verbesserung unserer Lebensqualität. Aktivitäten wie in diesem Artikel, bei denen Material des täglichen Lebens eingesetzt wird, können dazu beitragen, die Wertschätzung für die Chemie zu erhöhen und das Interesse dafür bei Schülern zu steigern. Diese Aktivitäten könnten in Unterrichtsstunden zur organischen Chemie und auch in der Biologie eingesetzt werden, um die Bedeutung des Recyclings zu diskutieren. Obwohl die Autoren die Aktivitäten für Schüler ab 16 Jahren vorschlagen, könnten sie auch bei jüngeren Schülern (ab 14) eingesetzt werden. Mireia Guell Serra, Spanien
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