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Zucker erkennen - eine tägliches Problem für DiabetikerSubmitted by rau on 21 January 2010
Übersetzt von Jakob Suckale
Zuckerkrankheit, eine moderne Zivilisationskrankheit Der Einfachzucker Glukose ist die wichtigste Energiequelle in lebenden eukaryotischen Organismen und wird von Zellen in aerober und anaerober Atmung verwendet. Es dient ebenfalls als Ausgangsstoff für die Protein- und Lipidsynthese. Deshalb ist es ein zentrales Molekül in zahlreichen Stoffwechselwegen und seine Konzentration im Blut muss durch Insulin und Glucagon streng reguliert werden. Diabetes mellitus (oder einfach Diabetes bzw. Zuckerkrankheit) ist ein Syndrom, gekennzeichnet durch fehlgesteuerten Zuckerstoffwechsel und überhöhten Blutzucker (Hyperglykämie). Dies entsteht entweder durch zu geringe Insulin-Konzentration oder durch eine anormale Unempfindlichkeit gegenüber dem Hormon gekoppelt mit zu geringen Insulinmengen um die Unempfindlichkeit zu überkommen. Es gibt zwei Hauptformen der Zuckerkrankheit: Typ 1 und 2. Obwohl sie unterschiedliche Ursachen haben, sind Patienten beider Formen unfähig in den Betazellen ihrer Bauchspeicheldrüse genug Insulin zu produzieren um Überzuckerung zu vermeiden. Zirka 10% aller Diabetes fälle in Europa sind Typ 1. Sie zeichnen sich durch den Verlust von Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, meist durch Autoimmunzerstörung, aus. Da Typ 1 Diabetes Patienten meist im jungen Alter befällt, wird er auch juveniler Diabetes genannt. Es ist die schwerwiegendere Form der Krankheit, weil es keine Heilung gibt. Statt dessen müssen Patienten ihren Lebensstil anpassen, z.B. mit verbesserter Ernährung, regelmäßigem Sport und Messung des Blutzuckers. Außerdem ist subkutane Injektion oder kontinuierliche Verabreichung von Insulin mittels einer Pumpe nötig um Koma oder Tod zu vermeiden. Type 2 Diabetes entsteht wegen Insulinresistenz oder verringerter Insulinempfindlichkeit der Zielgewebe zusammen mit ungenügender Insulinsekretion. Die verringerte Reaktion von Körpergeweben auf Insulin ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auf Insulinrezeptoren in der Zellmembran zurückzuführen. Das führt dazu, dass der Körper ungewöhnlich viel Insulin benötigt, um ein normales Blutzuckerniveau einzustellen. Wenn Betazellen die Nachfrage nicht mehr befriedigen können, entsteht Diabetes. Typ 2 Diabetes, auch bekannt als Altersdiabetes, manifestiert sich in der Regel über 30. In den meisten Fällen, ist es verbunden mit Fettleibigkeit und zu wenig physischer Betätigung. Ein Wechsel zu einem gesunderen Lebensstil kann oft die Krankheit mildern oder sogar heilen. Siehe Dugi (2006) für mehr Details zu Diabetes.
Aus diesen Gründen haben wir Experimente zusammen gestellt, die Schüler befähigen Kohlenhydrate zu identifizieren. Eine Serie von Experimenten bestimmt, ob eine Lösung Stärke, Proteine oder Zucker wie Glukose, Laktose oder Saccharose enthält. Nach der Detektion von Zuckern, lässt sich mit weiteren Experimenten bestimmen, welche Proben Laktose oder Glukose enthalten. Das Prinzip dieser Versuche ist dasselbe wie in den Tests zur Blutzuckerbestimmung für die Diagnose von Diabetes oder die Glukose/Laktose-Konzentrationsmessung z.B. in Früchten, Säften, Milch- und dessen Produkten. Diese Experimente geben Schülern einen Eindruck davon wie Diabetiker ihren Zuckerstatus feststellen können. Experiment 1: Erkennung von Zucker, Stärke und Proteinen Schüler erhalten fünf Proben, beschriftet A bis E, welche Stärke, Protein (Rinderserum-Albumin; BSA), das Monosaccharid Glukose oder eines der Disaccharide Lactose oder Saccharose enthalten. Alle Proben sind 0,1 prozentige, wässrige Lösungen. Sie können auch farblose Energy Drinks wie Powerade®-Lemon analysieren. Mittels verschiedenen Reagenzien bestimmen Schüler, welche der fünf Proben Zucker, Stärke oder Proteine enthält. Für eine Klasse von 30, in Paaren arbeitenden Schülern, benötigen Sie die folgenden Lösungen:
a) Nachweis eines reduzierenden Zuckers (Fehlingsche Reaktion)
Lösungen, die einen reduzierenden Zucker wie Fruktose, Glukose oder Laktose enthalten, sollten sich rot färben und ein rotes Präzipitat bilden (lösliche Kupfer II Ionen werden reduziert zu unlöslichen Kupfer I Oxid). Keine Färbung sollte in Saccharose- und Stärkelösungen entstehen. Die Proteinlösung sollte sich schwach violett färben. b) Stärkenachweis (Lugolsche Lösung)
Lugolsche Lösung ist ein Indikator für Stärke. Der Farbstoff färbt Stärke dunkelblau, indem er sich in die helikale Struktur des Polysaccharids einlagert. Er reagiert nicht mit Monosacchariden (Glukose) oder Disacchariden (Laktose und Saccharose). c) Proteinnachweis Der Proteinnachweis basiert auf der Bradford-Farbstoff Bindungsmethode und misst die Farbveränderung von Coomassie Brilliant Blue bei seiner Bindung an Proteine.
In Gegenwart von Proteinen färbt sich die Lösung blau (meßbar mit einen Fotometer bei 595 nm). Die Proben mit Zucker und Stärke werden ihre Farbe nicht verändern. Sicherheitshinweis: Der Biorad Proteinnachweis enthält Methanol und Phosphorsäure und sollte deshalb mit Vorsicht benutzt werden. ![]() Fehlingsche Reaktion (links), Lugolsche Reaktion (mittig), Proteinnachweis (rechts) Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Wendt
Ergebnisse und Interpretation Lösung B reagiert mit Lugolscher Lösung und zeigt so, dass sie Stärke enthält. Lösung D gibt ein positives Ergebnis mit dem Bradford-Test und ist deshalb eine Proteinlösung. In Lösung A-C entsteht eine rote Fällung durch die Fehlingsche Reaktion und die Proben können daher als Lösungen der reduzierenden Zucker Glukose und Laktose identifiziert werden, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich ist zu bestimmen welcher der beiden. Die verbleibende Lösung E reagiert bei keinem der Tests und muss deshalb die Saccharoselösung sein. Experiment 2: Enzymatische Bestimmung von Zucker In diesem zweiten Experiment werden die beiden verbleibenden Lösungen A und C erneut getestet, um festzustellen welche Laktose bzw. Glukose enthält. Für dieses Experiment verwenden wir das kommerzielle Kit EnzyPlus EZS 962+ lactose/D-glucose, vertrieben durch BioControlw2. Die Prozedur ist ähnlich der Methode, die von Diabetespatienten zur routinemäßigen Blutzuckermessung verwendet wird. Das Standardprotokoll des Produktes wurde modifiziert und verkleinert, um mehr Versuche mit den vorhandenen Reagenzien durchführen zu können. Ein Kit enthält genug Material für 20 Schülerpaare. Das Prinzip des Tests ist wie folgt (siehe Abbildungen unten):
![]() Schritt 1: Hydrolyse der Laktose Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Wendt
Zur Durchführung der Reaktion:
Hinweis: In den folgenden Schritten des Experiments werden alle vier Proben gleich behandelt.
Ergebnisse und Interpretation Alle vier Proben sollten bei der ersten Messung nur geringfügig absorbieren, was die Abwesenheit von NADPH anzeigt. Die zweite Messung nach der Zugabe des Enzyms sollte die Unterscheidung von Lösung A und C ermöglichen. Da Lösung A ein positives Ergebnis mit oder ohne β-Galaktosidase ergibt, kann gefolgert werden, dass es sich um Glukose handelt. Im Gegensatz dazu sollte eine Absorptionsveränderung bei Lösung C nur nach der Zugabe von β-Galaktosidase gemessen werden, was ein Zeichen für Laktose ist. Während des Praktikums erhalten die Teilnehmer Informationen zu Diabetes und den Problemen mit denen sich Diabetespatienten auseinandersetzen müssen. Um ihre Blutzuckerwerte zu bestimmen, benutzen Patienten ein Teststreifen-System, das wie eine Black Box funktioniert aber auf dem Prinzip von Experiment 2 basiert. Die Durchführung solcher Experimente erhöht möglicher Weise das Bewusstsein für Diabetes und wie die Krankheit durch Veränderung des Lebensstils verhindert oder überlebt werden kann. Die hier beschriebenen Experimente können sicher in normalen Schullaboratorien durchgeführt werden, da die verwendeten Stoffe nicht schädlich im Sinne der Gefahrstoffkennzeichnung (EG Bestimmung 67/548/EEC) sind. Die Konzentration des Konservierungsmittels Natriumazid liegt unter den niedrigsten Werten für Toxizität nach der Direktive 1999/45/EC. ExploHeidelberg Die ExploHeidelbergw3 ist ein Zentrum für informelles Lernen und interaktive Wissenschaft. Es besteht aus drei verschiedenen Teilen: der interaktiven Ausstellung, dem Media Lab und dem biotechnologischen Lehrlabor. In der interaktiven Ausstellung fordern 50 Ausstellungstücke den Besucher heraus optische, akustische und mechanische Phänomene zu erleben. Das Konzept und die Gestaltung der Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickeltw4. Referendare und Angestellte des Fachbereiches Physik sind bei der Entwicklung von Ausstellungsstücken, Workshops, Lehrerweiterbildung und Forschungsprojekten beteiligt. Das Lehrlabor bietet Mittel- und Hochschülern die Möglichkeit biotechnologische Experimente in ganztägigen Praktika durchzuführen, die im Klassenzimmer nicht möglich wären. Das Media Lab ergänzt das Lernzentrum mit 12 Computern sowie der Möglichkeit zum Webcast und zur Videobearbeitung. Die interaktive Ausstellung und das Media Lab sind täglich für die Öffentlichkeit zugänglich und zielen darauf ab, den Besucher für Lebenswissenschaften im Allgemeinen zu interessieren. Das Lehrlabor bietet Schülern, Lehrern und Referendaren besondere, auf den Lehrplan bezogen Kurse an, die Einsicht in moderne biotechnologische Techniken gewähren. Teilnehmer können wählen zwischen eintägigen Kursen im Umgang mit DNA oder Proteinen und spezialisierten, einwöchigen Kursen über komplizierte Techniken, die normaler Weise nur an der Universität gelehrt werden. Rezension In diesem Artikel behandeln Fred Engelbrecht und Thomas Wendt das wichtige Thema Diabetes. Außerdem schlagen sie zwei Experimente vor, die Einsicht in die Grundbestandleite von Nahrung und die Wissenschaft hinter der von Patienten benutzten Blutzuckermessung gewähren. Der klare und passende Stil des Textes ist einfacher im ersten Teil über die Zuckerkrankheit. Die Experimente sind etwas fordernder und bieten Lehrern die Möglichkeit unterschiedliche Teile für unterschiedliche Sekundarstufen-Niveaus zu verwenden. Der Artikel kann im Lehrplan der Biologie, Chemie und Gesundheitsausbildung verwendet werden mit der Möglichkeit einer interdisziplinären Herangehensweise an das Thema Diabetes durch Kombination von Biochemie, Biologie und Gesundheit. Wegen der weiten Verbreitung der Krankheit ist der Text ein nützlicher Ausgangspunkt für die Förderung von aktiver Bürgerbeteiligung und volle soziale Einbeziehung von diabetischen Schülern. Dieser Artikel kann für folgenden Themen verwendet werden: Kohlenhydrate und Proteine (Biochemie), Verdauungssystem (Biologie), Essen und Gesundheit (Gesundheitserziehung) und Laborausbildung (Chemie). Der erste Teil kann verwendet werden, um das Verständnis der Zuckerkrankheit zu prüfen. Der zweite testet das Verständnis von technische Themen. Fragen könnten beispielsweise sein: Welche der folgenden Eigenschaften ist nicht typisch für Diabetes? 4. Die Informationen in Tabelle 2 bedeuten: Giulia Realdon, Italien Referenzen Dugi K (2006) Diabetes mellitus. Science in School 1: 61-65. www.scienceinschool.org/2006/issue1/diabetes/german Internet-Referenzen w1 – Biorad: www.bio-rad.com w2 – BioControl: www.rapidmethods.com w3 – ExploHeidelberg: www.explo-heidelberg.de w4 – Pädagogischen Hochschule Heidelberg: www.ph-heidelberg.de
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