|
Categories:
Topics:
Tools
Erforschung der SonnenatmosphäreSubmitted by rau on 17 October 2008
Übersetzt von Manuel Koch
Ein besonderes Forschungsprogramm, welches die Sonne und ihren Einfluss auf das Sonnensystem erforschen soll, wird gerade begonnen. Initiiert wurde es von den Vereinten Nationen. Das Programm heißt Internationales heliophysikalisches Jahrw1, und Wissenschaftler aus ganz Europa nehmen daran teil. Ein Interessensgebiet ist die Atmosphäre der Sonne; es gibt noch eine Menge Fragen über unseren heimischen Stern, die darauf warten, beantwortet zu werden. Eine Folge der heißen Sonnenkorona ist neben ihrer hohen thermischen Konduktivität, dass sie sich beständig ins All ausbreitet. Diese Ausbreitung wird als Sonnenwind bezeichnet, und es gibt zwei Arten: den langsamen Wind, der ungefähr 400 km/s schnell ist, und den schnellen Sonnenwind, der ungefähr 800 km/s schnell ist. Derzeit sind weder der Beschleunigungsmechanismus noch die Lage dieser beiden Arten wirklich verstanden, aber beide werden untersucht.
Außerdem wird daran geforscht, wie der Sonnenwind andere Planeten ohne ein Magnetfeld beeinflusst. Zum Beispiel befindet sich die Venus Express Mission im Moment in der Umlaufbahn um die Venus und misst die Erosion der Venusatmosphäre durch den Sonnenwind. Die heftigste Form der Aktivität in der Sonnenatmosphäre sind riesige Plasmaeruptionen und Eruptionen des Magnetfeldes, die als Koronaler Massenauswurf (engl. CMEs) bekannt sind. Ursprünglich wurden sie in den 1970er Jahren entdeckt. Seitdem konnte gezeigt werden, dass sich ihre Frequenz zyklisch verändert: CMEs gibt es mindestens einmal in drei Tagen und maximal drei- bis fünfmal am Tag. Diese Ausbrüche können in Richtung Erde erfolgen und genau wie mit dem Sonnenwind steht es in Verbindung mit dem Erdmagnetfeld. Unter diesen Bedingungen können ernsthafte Folgen auf der Erde beobachtet werden; Erwärmung und Ausbreitung der Erdatmosphäre führt zu Veränderungen der Satellitenumlaufbahn. Diese realen Effekte der CMEs machen ihre Untersuchung unglaublich spannend, und es gibt im Moment eine Flotte von Raumsonden, die die Sonne und die Erde beobachten, um genau dieses zu tun. Die Ursache der CMEs steht in Verbindung mit den Magnetfeldern der Sonne, die durch elektrische Ströme im Inneren der Sonne hervorgerufen werden, was als solarer Dynamo bekannt ist. Bündel starker Felder entstehen, treten durch die Photosphäre und dehnen sich in die Korona aus. Dieses magnetische Feld wird kontinuierlich in die Atmosphäre injiziert und man glaubt, dass die CMEs eine Möglichkeit dafür sind, diese zu entsorgen und einen zu starken Aufbau zu verhindern. Raumsonden wie SOHO, TRACE, STEREO und Hinode nehmen auf, wie sich die Struktur des Magnetfeldes über die Zeit verändert. Die STEREO Mission besteht aus zwei Raumsonden, die die Sonne so umrunden, dass sie dabei etwas Abstand zur Erde im Weltraum einnehmen (eine Umlaufbahn befindet sich etwas dichter an der Sonne als die der Erde und eine etwas weiter entfernt). Das bedeutet, dass die beiden Saumsonden die Sonne von zwei verschiedenen Positionen im Raum sehen und wie unsere beiden Augen eine Wahrnehmung von Tiefe und eine Perspektive besitzen. So erhält man mit der STEREO Raumsonde einen 3D-Blick der austretenden magnetischen Strukturen (siehe Bild). Der 3D-Blick ermöglicht es, die Physik der Eruption zu testen und auszuarbeiten, indem man die Kenntnis über die Struktur des Magnetfeldes benutzt. STEREO hilft außerdem dabei, diejenigen CMEs vorherzusagen, die mit der Erde kollidieren werden. Das Wissen kann von den Organisationen genutzt werden, die die Satelliten steuern oder die Elektrizitätsversorgung kontrollieren: zum Beispiel könnten die Umlaufbahnen besonders gut dann kontrolliert werden, wenn CMEs mit der Erde kollidieren werden. Die Hinode Raumsonde ist das Äquivalent zum Hubble Space Telescope für die Sonne. Es erlaubt die Untersuchung der Entstehung der immensen atmosphärischen magnetischen Strukturen über die Zeit in hoher Auflösung. Man nimmt an, dass die einzige Möglichkeit, um so viel Energie zu erzeugen für die Milliarden von Tonnen von solarem Material, was eine CME ausmacht, in der Nutzung der gespeicherten Energie der verdrehten und deformierten Magnetfelder liegt. Hinode misst, wie verdreht das Feld ist und die Resultate werden mit den Daten von STEREO kombiniert. Wenn wir erst einmal CMEs verstanden haben, können wir anfangen, Vorhersagen darüber zu treffen, welche magnetischen Strukturen ausbrechen und welche schließlich den größten Effekt auf der Erde hervorrufen.
Internet-Referenzen w1 – Um mehr Informationen über das Internationale Heliophysikalische Jahr (2007-2009) zu erhalten, siehe:
|