Eine chemische Verbindung: Nick Barker verbindet Schulen und Universitäten in Großbritannien Inspire article

Übersetzt von Hildegard Merkle. Lucy Patterson sprach mit Nick Barker, einem früheren Gymnasiallehrer für Chemie und Lehrer-Jahrgangssprecher, der nach 12 Jahren im Klassenzimmer als Schullehrer-Fellow bei der Royal Society of Chemistry (RSC) seinen Traumjob gefunden hat.

Nick Barker
Mit freundlicher Genehmigung
von Nick Barker

Dank seiner Vorliebe für den Lehrerberuf und der Arbeit mit jungen Menschen hat Nick Barker ein aktives, schulübergreifendes Programm zusammengestellt, das er im Fachbereich Chemie an der Universität von Warwickw1, Großbritannien, leitet. Dort schließt er die Lücke zwischen Klassenzimmer und Labor und macht damit die Chemie für tausende ortsansässige Schulkinder lebendig.

Das Schullehrer-Fellow-System wird von der RSCw2 durchgeführt, um die Beziehungen zu Schulen und höheren Bildungseinrichtungen zu festigen und die nächste Generation für Chemie zu begeistern. Nick Barker bewarb sich auf eine Anzeige in einer landesweiten Zeitung und wurde im Januar 2008 eingestellt. Seine Aufgabe war es, das Schullehrer-Fellow-System an der Universität von Warwick zu etablieren, wo er bereits Kontakte geknüpft hatte. Sein Erfolg in den ersten sechs Monaten war dermaßen groß, dass die Universität zustimmte, das Programm nach dem Finanzierungsende durch die RSC weiterhin zu unterstützen und damit Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren durch eine Reihe verschiedener Aktivitäten zu fördern.

Nick Barker kann sein schulübergreifendes Programm frei gestalten und verbringt viel Zeit damit, örtliche Schulen zu besuchen, um Vorträge zu halten und Vorführungen durchzuführen. Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler beinhaltet dies die Grundlagen der Chemie zusammen mit weniger grundlegenden, aber dennoch beeindruckenden Konzepten, z.B. Chemolumineszenz, begleitet von all den Explosionen und Knallern einer pyrotechnischen Vorführung.

Nick Barker bei dem Versuch
an einem Gymnasium in
Coventry, Großbritannien,
die Reaktion der berühmten‚
Elefantenzahnpasta‘ in Schach
zu halten

Mit freundlicher Genehmigung
von Nick Barker

„In den Schulen ist eigentlich nur sehr wenig nicht erlaubt,” erklärt Nick Barker. „Man muss lediglich den Papierkram erledigen und kann alle möglichen spaßigen Dinge tun. Eine Grundschulklasse war ganz besonders begeistert, als bei einer Vorführung eine Deckenfliese zerplatzte; die Kinder finden es anscheinend immer sehr lustig, wenn eine in Stickstoff tief gefrorene Banane zerschmettert, wenn ich versuche, damit einen Nagel in ein Holzbrett zu schlagen. Einmal hatte mich eine Grundschullehrerin kritisiert, weil ich ein Kind mit einer Stange getroffen hatte. Es war mit einer dicken Schicht aus Schaumgummi und einer Holzplatte geschützt. Man kann der Holzplatte einen Schlag versetzen und die Kraft verteilt sich auf eine große Fläche, so dass die getroffenePerson kaum etwas merkt. Das Kind fand dies super toll, aber die Lehrerin war ziemlich verärgert und sagte mir, dass sie nichts Derartiges in das Formular für die Risikobewertung eingetragen hat!”

Für ältere Schülerinnen und Schüler hält Nick Barker Vorträge mit etwas mehr akademischem Charakter und beschreibt die Arbeit an den Universitäten, um einen Vorgeschmack davon zu geben, worum es bei der eigentlichen wissenschaftlichen Forschung geht. Und wenn er keine Vorträge außerhalb der Universität hält, dann organisiert Nick Barker die Besuche von Schulgruppen im Fachbereich Chemie an der Universität. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern nicht nur die Möglichkeit, eine wirkliche Forschungseinrichtung von innen zu sehen und Zugang zu den Unterrichtslaborräumen zu haben, sondern bietet ihnen auch die praktische Erfahrung des Chemiealltags auf Universitätsniveau mit speziell hierfür entworfenen interaktiven Modulen. Die Bemühungen von Nick Barker wurden sehr gut angenommen.

„Im vergangenen Studienjahr waren es ungefähr 3.500 Kinder, die an dem Programm teilgenommen haben. Sie kamen von allen möglichen Schulen, von unabhängigen Eliteschulen bis zu einer Beratungsstelle für Schüler, die aus dem Regelunterricht herausgenommen wurden. Ich organisiere und plane jedes einzelne Detail dieser Arbeit selbst, aber ich bekomme auch sehr, sehr viel Unterstützung. Die Universität und die Mitarbeiter an den Schulen schätzen diese Arbeit und wollen involviert werden. Besonders die akademischen Mitarbeiter des Fachbereichs begleiten mich gerne an die Schulen, um mit den Kindern zu arbeiten und ihnen über ihre Arbeit zu erzählen – somit können wir sagen, dass wir sogar einen Professor in ihre Unterrichtsstunde einbinden! Ich unterrichte die Zuhörer in Chemie, und dann ist der eigentliche Wissenschaftler an der Reihe, um zu erklären, was im Labor gemacht wird und warum die Wissenschaft Spaß macht – ich glaube, dass man die Kinder dadurch mehr begeistern kann als durch meine täglichen Vorlesungen. Es ist einfach großartig, wenn man die Unterstützung von solch motivierten und talentierten jungen Menschen bekommt.”

Nick Barker entzündet mit
Acetylengas gefüllte
Seifenblasen, Matt Stanford
von der Warwick Universität
assistiert ihm dabei

Mit freundlicher
Genehmigung von J Hunt
 

Nick Barker hat 12 Jahre lang Chemie in der Oberstufe (Schülerinnen und Schüler im Alter von 16-18 Jahren) sowie alle drei Wissenschaften in der Mittelstufe (Schülerinnen und Schüler im Alter von 11-16 Jahren) unterrichtet und ist sich sehr sicher darüber, wo die Prioritäten in der Schulbildung liegen sollten. „Ich glaube, dass die Kinder eine breit angelegte Schulbildung erhalten sollten, aus der vielseitig interessierte junge Menschen hervorgehen, die an der Welt um sie herum teilhaben wollen. Für die Gesellschaft ist Bildung generell wichtig. Tatsächlich glaube ich, dass dies eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt ist. Ich wurde so erzogen, dass ich den Wert von Schulbildung schätzen gelernt habe, und es machte mir Spaß, Dinge herauszufinden. Wenn wir uns darauf versteifen, den Fortschritt ständig zu testen und zu messen, funktioniert das nicht. So wird uns der Spaß am Lernen genommen.”

Nick Barker befasst sich mit jenen Dingen, die er als Schwerpunkte bei der Überprüfung, Inspektion und Kontrolle von Unterrichtsstandards im staatlichen britischen Schulsystem ausmacht, und glaubt, dass solche Maßnahmen nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit von der grundlegenden Lehrtätigkeit abzulenken, anstatt die Standards aufrechtzuerhalten. Für ihn ist die effektivste und lohnendste Annäherung die, eine wirkliche Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern zu schaffen. „Ich mag keine Arbeitsblätter, PowerPoint-Präsentationen oder Unterricht nach Lehrbuch. Ich mag es, Diskussionen zu führen, die praktische Arbeit durchzuführen, eine Klasse dazu zu bringen, komplexe Themen zu verstehen, lustige praktische Chemie-Vorführungen darzubieten, und ich mag das Lachen der Schülerinnen und Schüler. Ich glaube, dass herzliches Lachen im Klassenzimmer sehr wichtig ist; die Schülerinnen und Schüler lernen besser, wenn sie entspannt und fröhlich sind.”

Und wenn dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler mit einer Stange getroffen werden, dann ist Nick Barker der richtige Mann dafür. Stellen Sie einfach sicher, dass Sie zuerst das Formular für die Risikobewertung überprüfen!

Das Schullehrer-Fellow-System

 

Das Schullehrer-Fellow-System wurde ursprünglich von Bristol ChemLabSw3 an der Universität von Bristol, Großbritannien, konzipiert und entwickelt. Die Idee war so erfolgreich, dass sie vom RSC übernommen wurde und derzeit mit Unterstützung der biopharmazeutischen Firma AstraZeneca durchgeführt wird. Stellen für Schullehrer-Fellows, die entweder noch immer vom RSC oder von den Universitäten finanziert werden, wurden in mehreren Chemie-Fachbereichen in ganz Großbritannien eingerichtet:

Schicken Sie eine E-Mail an den jeweiligen Schullehrer-Fellow, wenn Sie ihn an seiner Universität besuchen wollen oder wenn er an Ihre Schule kommen soll.

 

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Web References

  • w1 – Finden Sie mehr über das schulübergreifende Programm des Fachbereichs Chemie an der Universität Warwick heraus: www2.warwick.ac.uk/fac/sci/chemistry/schools
  • w2 – Hier erfahren Sie mehr über die RSC, die größte Organisation für die Weiterentwicklung der chemischen Wissenschaften in Europa: www.rsc.org
  • w3 – Mehr Informationen über das Bristol ChemLabS bekommen Sie hier: www.chemlabs.bristol.ac.uk
  • w4 – Science on Stage ist eine europäische Initiative zur Förderung von Lehrern in ganz Europa, um die besten Praxismethoden im Wissenschaftsunterricht gemeinsam nutzen zu können: www.science-on-stage.eu

Resources

Author(s)

Lucy Patterson promovierte 2005 an der Universität von Nottingham, Großbritannien, und arbeitete danach mehrere Jahre lang als Postdoc-Wissenschaftlerin zunächst in Oxford, Großbritannien, dann in Freiburg und Köln, Deutschland. Während dieser Zeit forschte sie unter Verwendung von Zebrafisch-Embryonen daran, Antworten auf viele unterschiedliche Fragen in der Entwicklungsbiologie zu finden, dem Studium, wie Organismen wachsen und sich von einer befruchteten Eizelle zu einem ausgewachsenen Organismus entwickeln. Lucy Patterson ist eine sehr interessierte und begeisterte Wissenschaftlerin und gestaltet ihre eigene junge Karriere als Wissenschaftskommunikatorin.




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CC-BY-NC-ND