Brotherstellung: Naturwissenschaftlicher Unterricht in der Grundschule Teach article

Übersetzt von Miriam Sonnet. Etwas Alltägliches wie Brot kann ein überraschendes Spektrum an fachübergreifenden Lehrmöglichkeiten bieten.

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von madlyinlovewithlife;
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Vor Jahrtausenden haben Menschen Mehl mit Wasser vermischt, um Brot herzustellen. Irgendwann wurde ein Bäcker möglicherweise von einem Säbelzahntiger von seinem Handwerk abgelenkt und fand den Teig Stunden später seltsamerweise leichter und fluffiger vor. Die Grundlage des Sauerteigbrotesw1 – jenem Brot, das durch Hefe, einem weit verbreiteten, natürlich vorkommenden Mikroorganismus, aufgeht – war gegeben.

In dieser Aufgabenserie für Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren betrachten wir uns die Wissenschaft der Brotherstellung und die hilfreichen Mikroorganismen, die darin involviert sind. Die Aufgaben 1-4 können in einer Stunde behandelt werden, aber die Brotherstellung benötigt mindestens einen halben Tag. Während das Brot aufgeht können andere Aufgaben bearbeitet werden.

Aufgabe 1: Beobachtung natürlicher Mikroorganismen

Schimmlige Erdbeeren
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Es gibt viele für das bloße Auge unsichtbare Mikroorganismen in der uns umgebenden Umwelt. Diese sind wie wir auf Überleben und Reproduktion programmiert; um dies zu bewerkstelligen ernähren sie sich von Zuckern und Proteinen und bewirken deren Abbau. Haben Sie jemals nach einer Orange gegriffen und einen Ring aus weißem Schimmel mit blau-grünem Schimmel in der Mitte gefunden? Oder haben Sie einen Käse aus dem Kühlschrank genommen um festzustellen, dass der grünlich-schwarze Schimmel Ihnen zuvor gekommen ist?

Man kann fast überall nach ‚Mikroorganismen angeln’. Sie können Ihre Klasse auf einen ‚Angeltrip’ mitnehmen, indem Sie Teller mit Brot, Käse oder Früchten an einem sicheren Ort an der Luft stehen lassen und für einige Tage oder Wochen warten. Was die Schüler sehen werden ist das Ergebnis von Mikroorganismen der Luft, die sich auf das Essen setzen und sich von den darin befindlichen Zuckern und Proteinen ernähren. Sie bilden irgendwann Fruchtkörper, die wir als Schimmel bezeichnen.

 

Sicherheitshinweis

Stellen Sie sicher, dass keines der Kinder eine Allergie gegen Schimmel hat. Erinnern Sie die Kinder daran, die Lebensmittel nicht zu essen und nicht zu nahe an den Schimmel zu kommen, damit sie die Sporen nicht einatmen.


 

Ein Stück frische Hefe
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Die Ernährung von Mikroorganismen können wir schneller beobachten, indem wir Bäckerhefe benutzen. Bäckerhefe besteht aus Hefemikroorganismen, die man sehen, riechen und fühlen kann. Bitten Sie die Klasse, einen Teelöffel mit frischer oder getrockneter Bäckerhefe mit circa 100 ml warmem Wasser und Zucker zu mischen. Die Mischung sollte an einen warmen, aber gut belüfteten Ort gestellt werden. Nach kurzer Zeit können die Kinder Schaum auf der Mischung entdecken und einen stechenden Geruch wahrnehmen. Diese Effekte werden durch einen als Gärung bezeichneten Prozess der Produktion von Kohlendioxid und Alkohol erzeugt.

Viele Kinder wissen, dass Hefe zur Brotproduktion benutzt wird. Aber welche Rolle spielt die Gärung?

Schneiden Sie ein Brot oder Brötchen auf und bitten Sie die Kinder, zu beschreiben was sie sehen. Hoffentlich werden sie sagen, dass sie Gasblasen sehen und dass das Brot wie ein Schwamm aussieht. Fragen Sie sie, ob sie eine Verbindung zwischen den Blasen, die sie auf der gärenden Hefe gesehen haben, und den Blasen im Brot herstellen können.

Hefekolonien auf Agar
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Fragen Sie die Kinder weiterhin:

  • Was passiert mit den Blasen auf der gärenden Hefe? (Sie platzen irgendwann auf.)
  • Warum passiert das nicht mit den Blasen im Brot? (Weil sie im ‘Inneren’ des Brotes sind.)
  • Welche Komponente des Brotes bewirkt, dass die Gasblasen im Brot bleiben? (Mehl, das mit Wasser gemischt ist.)

Und nun eine kleine Aufgabe. Bitten Sie die Kinder, sich vorzustellen, sie seien Hefe, die Kohlendioxid in die Luft bläst. Wo geht das Kohlendioxid hin? Geben Sie den Kindern einen Ballon und bitten Sie sie, hineinzublasen. Was passiert jetzt mit der Luft und was ist der Unterschied zu vorher? (Sie wird im Ballon gehalten.) Helfen Sie den Kindern den Unterschied zu verstehen, indem Sie alle aufgeblasenen Ballons in eine Kiste legen. Damit simulieren Sie das Kohlendioxid in einem Brotlaib, das durch winzige ‚Teigballons’ an Ort und Stelle gehalten wird.

Aufgabe 2: Die Geschichte der Brotproduktion

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In Aufgabe 1, haben die Kinder gelernt, dass Hefe, Zucker und Wasser das gefangene Gas produzieren. Dieses bewirkt, dass das Brot aufgeht. Sie haben auch gelernt, dass mit Hefe und Wasser gemischtes Mehl einen ‚Ballon’ bildet, um die Gasblasen im Laib zu halten. Als Einleitung für die breiteren Aspekte der Brotproduktion können Sie die Geschichte Die kleine rote Henne lesen. Wenn Sie keine Ausgabe des Buchs besitzen, benutzen Sie die online erhältliche Project Gutenberg Versionw2 (nur in englischer Sprache erhältlich; die deutsche Version finden Sie auf der Homepage der Lehrmittelboutique). Die Geschichte veranschaulicht die Hauptaspekte der Brotproduktion, vom Feld bis zum Teller.

Nachdem alle die Geschichte gelesen haben, bitten Sie die Klasse, die verschiedenen Phasen der Produktion bildlich darzustellen und zu beschriften. Die Bilder werden im Klassenzimmer aufgehängt. Können die Schüler Ideen aus dem Buch mit dem Gelernten aus Aufgabe 1 kombinieren, um eine Anleitung zur Brotherstellung zu schreiben? Die Anweisung könnte lückenhaft sein, aber die Schüler können sie nach Beendigung der anderen Aufgaben vervollständigen.

Aufgabe 3: Eindringlinge und Siedler

Wikinger auf ihren
Langschiffen

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Wie viele andere Gebiete haben auch die britischen Inseln eine Geschichte von Invasion und Ansiedlung: die Römer, Angeln, Sachsen, Jüten und Wikinger kamen alle zu den britischen Inseln und haben sich irgendwann angesiedelt. In gleicher Weise hat auch das europäische Festland Wellen von Eindringlingen und Siedlern gesehen. Die Neuankömmlinge brachten Essen mit sich, mussten aber bald einheimische Nahrung essen. Sie können die Themen der Brotproduktion und des Brotkonsums in Geschichtsstunden einbringen, indem Sie das Thema von Eindringlingen und Siedlern behandeln. Wir werden mit einem Rollenspiel beginnen.

Beschriften Sie Kegel oder Stühle mit Schildern, die individuelle Nahrungssorten wie Beeren, Früchte, Weizen, Fleisch, Milchprodukte und Gemüse auflisten. Stellen Sie diese in der Schulaula oder auf dem Schulhof auf. Bitten Sie die Kinder, sich in diesen Bereich zu setzen als wären sie Siedler. Sie sollen sich nun die Nahrungsschilder anschauen und sich aussuchen, welche Nahrung sie als Siedler gerne essen würden. Sie können sie daran erinnern, dass zu bestimmten Jahreszeiten andere Nahrungssorten zur Verfügung stehen und Zeit zum Wachsen brauchen, um sich in essbare Nahrung zu entwickeln.

Wiederholen Sie nun das Rollenspiel, indem Sie die Kinder bitten, den Bereich als Eindringlinge, die nicht zu lange bleiben, zu verschiedenen Jahreszeiten zu betreten. Welche Nahrung können sie essen und welche wird für sie nicht verfügbar sein? Können die Kinder sagen, warum? Was würden die Eindringlinge tun, wenn sie sich entschließen würden, hier zu siedeln?

Brotlaib mit großen
Gasblasen

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von foonus; Abbildungsquelle:
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Diese Aufgabe soll den Kindern beibringen, dass manche Nahrungsmittel wie z.B. Brot oder Gemüse zunächst angebaut und dann weiterverarbeitet werden müssen, um zu genießbaren Lebensmitteln zu werden. Andere Nahrung wie Fleisch oder Beeren benötigt keine bzw. nur einfache Bearbeitung und ist somit ein geeignetes Lebensmittel für Invasoren.

Aufgabe 4: Verschiedene Brotsorten

Bitten Sie die Schüler, verschiedene Brotsorten mitzubringen. Sie werden unter anderem Schrotbrot, Vollkornbrot (mit Zusätzen von Kleie und Weizenkeimen), Haferflockenbrot, Roggenbrot, Sodabrot und Fladenbrot erhalten. Bereiten Sie einen Beobachtungs- und Geschmackstest vor. Bitten Sie die Kinder, Eigenschaften, mit denen man die Brotsorten vergleichen kann, vorzuschlagen, wie zum Beispiel Aussehen, Struktur, Größe der Löcher/Gasblasen, Geschmack und ob sie das Brot mögen oder nicht.

 

Sicherheitshinweis

Bevor Sie beginnen, versichern Sie sich, dass keines der Kinder an Zöliakie, einer Autoimmunerkrankung die durch das Weizenprotein Gluten ausgelöst wird, leidet.

Wenn das Brot eingepackt ist, können Sie die Inhaltsstoffe des Brotes und wie es gebacken wurde auf der Verpackung nachlesen. Andernfalls finden Sie Nährwertangaben von verschiedenen Brotsorten im Internetw3. Wenn Sie bereits das Thema über gesundes Essen behandelt haben, werden die Kinder die Grundlagen der Nährwertangaben auf der Verpackung verstehen. Wenn die Kinder das Thema noch nicht behandelt haben, wird eine kurze Onlinerecherche einer Nährwertangabentabelle ihnen sagen, was gesund ist und was nichtw4. Ihr könnt anschließend über Gesundheit diskutieren, indem ihr euch die Nährwertangaben auf jeder Verpackung anschaut, die Brote nach Gesundheit sortiert und entscheidet, was die verschiedenen Brotsorten gesund oder ungesund macht.

Aufgabe 5: Backt euer eigenes Brot

Baguetteteig nach dem
Aufgehen. Die Gasblasen
werden während der Gärung
von dem von der Hefe
produzierten Kohlendioxids
gebildet

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von Dawn Endico;
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Nun zum Brot backen! Die Kinder lieben backen, es ist einfach und fast immer erfolgreich. Fangen Sie mit den Grundlagen an, besorgen Sie einige Weizenkörner und lassen Sie die Kinder die Körner mit Mörser und Pistill ‚mahlen’. Die Kinder werden sehen, wie das Mehl aus den zermahlenen Körnern austritt und können es dann sieben, um es zu reinigen. Es ist nicht empfehlenswert, das gesamte Mehl auf diese Weise herzustellen, da die Produktion zu lange dauert. Stattdessen könnt ihr das selbst hergestellte Mehl mit einem gekauften Mehl vermischen, um genug Mehl zu erhalten. Gleichzeitig könntet ihr einige Weizensamen aussäen und deren Wachstum überwachen – vielleicht um so Weizen für die nächste Klasse zu produzieren! Dies ist eine geschickte Verbindung zur Geschichte Die kleine rote Henne.

Kneten des Teiges
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Erinnern Sie sich an die nützlichen Mikroorganismen aus der ersten Aufgabe? Beginnen Sie mit der Hefemischung, die die Kinder in Aufgabe 1 hergestellt haben. Sobald die Mischung schäumt, mischen Sie es mit Mehl und Salz und rühren Sie es kräftig – Sie können das Rezept von der Science in School Webseitew5 herunterladen. Bis der Teig zur Kugel wird, die nicht mehr an den Seiten der Schüssel anklebt, müssen Sie mehr warmes Wasser hinzufügen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Kinder den Teig auf einer sauberen, mit Mehl bedeckten Unterlage kneten. Was beobachten die Kinder, wenn sie den Teig kneten? Das Gluten im Mehl wird freigesetzt und macht den Teig dehnbar. Sobald der Teig glatt ist, stellen Sie ihn an einen warmen Ort, damit er aufgehen kann (‚reifen’)..

Fragen Sie die Kinder nach einer Stunde, was sie beobachten und was den Teig zum Aufgehen gebracht haben könnte. Schneiden Sie ein Stück mit einem scharfen Messer ab und zeigen Sie den Kindern die Gasblasen im Teig. Erinnern Sie sie an das Ballonexperiment, um zu bekräftigen, warum die Luft im Teig bleibt. Der Brotteig erfordert ein zweites Mal Kneten, bevor er erneut zum Aufgehen weggestellt wird; dies bewirkt, dass sich die Hefe und Luft im ganzen Teig verteilt. Zum Schluss ist es Zeit zum Backen. Formen Sie einen Brotlaib und benutzen Sie diesen als Beispiel, schneiden Sie ihn auf, um Hefe zu riechen und die Gasblasen zu sehen.

Danksagung

Diese Arbeit wurde zum ersten Mal in Freedom to Teach, the Collins Education blogw6 veröffentlicht.

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Web References

Resources

Author(s)

David Lewis, Lehrer mit Spezialisierung in Naturwissenschaften, war 20 Jahre Grundschullehrer im Vereinigten Königreich und lehrt jetzt an einer internationalen Schule in Zypern. Im Jahre 2006 haben David und seine Schüler die Endrunde des Rolls Royce Science Preises erreicht und wurden für innovative Herangehensweisen in der Wissenschaft im Lehrplan ausgezeichnet. Er war in Lehrerausbildungen und Lehrplanentwicklungen involviert. In seiner Freizeit schreibt er für das Teach Primary Magazin, Collins Education und für einen Lehrblog in Zypern.


Review

Dieser Artikel schlägt interessante und neue Aufgaben für die Grundschule vor. Chemie, Geschichte und Kochen – die Lehre von Mikroorganismen – werden im Rahmen der Brotproduktion kombiniert. Auch wenn der Autor die Aufgaben für 9- bis 11-jährige Schüler vorschlägt, bin ich sicher, dass die Aufgaben und Spiele, das Experimentieren mit Hefe und die Brotproduktion jüngeren Schülern der weiterführenden Schule ebenfalls gefallen würden.


Christiana Nicolaou, Zypern




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