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Die Wissenschaft des Humors: Allan ReissSubmitted by celius on 17 January 2011
Übersetzt von Julia Heymann
Allan, Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung an der amerikanischen Stanford University, wollte ursprünglich untersuchen, was im Gehirn bei kataplektischen Anfällen passiert. Er wusste, dass sie durch starke Emotionen wie Wut oder sexuelle Erregung ausgelöst werden können. Er war jedoch überrascht, als er von seinem Kollegen Emmanuel Mignot erfuhr, dass der wichtigste Auslöser der Humor ist. Bevor Allan und sein Team jedoch untersuchen konnten, wie Komik einen kataplektischen Anfall auslösen kann, brauchten sie eine Nullmessung - sie mussten wissen, wie der Humor Menschen unter normalen Bedingungen beeinflusst. Was passiert im Gehirn, wenn man etwas lustig findet?
Sahen die Freiwilligen einen lustigen Comic, stellten die Wissenschaftler Veränderungen in mehreren Gehirnarealen fest. Besonders Regionen, die an der Sprachverarbeitung und an übergeordneten Prozessen wie etwa der Organisation von Informationen beteiligt sind, wurden aktiviert. Da viele der Comics Bildunterschriften besaßen, war das nicht unerwartet. Dennoch wollten Allan und seine Kollegen nicht nur wissen, wie das menschliche Gehirn auf Humor reagiert, sondern auch, ob es Unterschiede zwischen der Reaktion von Frauen und Männern gab. Deshalb untersuchten sie sowohl männliche als auch weibliche Freiwillige.
„Was allerdings unerwartet war, war ein Unterschied im mesolimbischen Belohnungszentrum des Hirns: die witzigen Comics stimulierten diesen Teil bei den Frauen viel stärker als bei den Männern.“ Das mesolimbische Belohnungszentrum wird mit Glücksgefühlen in Verbindung gebracht, wie z.B. der Betrachtung schöner Gesichter, Kokain-induzierter Euphorie und anderen ,positiven‘ Stimuli. „Die weiblichen Freiwilligen fanden nach eigener Aussage die Comics genauso lustig wie die männlichen, also scheint dieser Unterschied der Hirnaktivität eher mit ihren Erwartungen zu tun zu haben als mit dem tatsächlichen Erlebnis.“ Die Erklärung dafür könnten so genannte dopaminerge Neurone bieten - eine Gruppe von Nervenzellen, die nicht auf die Belohnung an sich ansprechen, sondern auf den Unterschied zwischen der erwarteten und der tatsächlich erhaltenen Belohnung. Vor den Experimenten wurde allen Freiwilligen gesagt, sie bekämen 180 Cartoons gezeigt, von denen nur ein paar lustig sein würden. Scheinbar hatten die männlichen Teilnehmer höhere Erwartungen: sie rechneten damit, belustigt zu werden. Die Frauen dagegen waren vorsichtiger - und so durch die lustigen Comics stärker angenehm überrascht. Die Reaktionen auf die nicht lustigen Comics passten ebenfalls zu dieser Erklärung: diese Comics verursachten eine Deaktivierung im mesolimbischen Belohnungszentrum der Männer (sie bekamen nicht die erwartete Belohnung), während bei den Frauen wenig oder keine Aktivität vorhanden war (sie hatten nicht erwartet, amüsiert zu werden; siehe Graph).
An dieser Stelle kann ich nicht widerstehen, Allan zu fragen, was seine Interpretation dieser Daten ist. Hatten die Männer wirklich höhere Erwartungen? Was, wenn sie bei der Anleitung einfach nicht zugehört hatten? Lachend stimmt er mir zu, dass es mehrere mögliche Erklärungen der gezeigten Unterschiede in der Hirnaktivierung gibt.
Ich mache Allan darauf aufmerksam, dass die meisten Leser von Science in School weder Erwachsene noch kleine Kinder unterrichten - unsere Leser lehren in den meisten Fällen für Teenager. Hätte er eine Klasse Fünfzehnjähriger als Untersuchungsobjekt, was würde er gerne herausfinden? „Die Pubertät ist eine bedeutsame Zeit. Nicht nur der Körper verändert sich - es passieren auch riesige Veränderungen im Gehirn. Und das beeinflusst ebenfalls den Humor: Was ein Zehnjähriger lustig findet, unterscheidet sich stark von dem, was einen Sechzehnjährigen zum Lachen bringt. Es wäre interessant, die Veränderungen auf dieser Entwicklungsstufe des Gehirns zu untersuchen..“ Was würde er also einer Klasse Fünfzehnjähriger empfehlen, die ein Experiment zum Thema Humor in der Schule durchführen möchte? „Nun, sie könnten genau das untersuchen: welche Art Humor welche Altersstufe anspricht. Sie könnten Schülern jedes Jahrgangs an ihrer Schule eine Auswahl an Cartoons vorlegen und sie fragen, welche sie am Lustigsten finden. Oder jede Klasse nach ihren Lieblingswitzen fragen und diese dann in verschiedene Arten von Humor kategorisieren und herausfinden, ob diese sich mit zunehmendem Alter ändern.“ * * * Die Wissenschaft bringt einen öfters vom ursprünglichen Thema ab; Allan begann mit der Arbeit an Kataplexie und betrieb letztendlich viel Forschung zum Thema Humor. Nach dem Interview fällt mir noch ein, dass ich ihn gar nicht gefragt habe, ob er die Humorexperimente je an Kataplexiepatienten ausprobiert hat. Eine schnelle Internet-Suche ergibt, dass er genau das gemacht hat, aber diesen Artikel dürfen Sie selber lesen (Reiss et al., 2008). Referenzen Reiss AL et al. (2008) Anomalous hypothalamic responses to humor in cataplexy. PLOS One 3(5): e2225. doi: 10.1371/journal.pone.0002225
Weiterführende Materialien Beim ESOF, dem Eurosciences Open Forum im Juli 2010, beschrieb Allan Reiss einige seiner Forschungsprojekte. Um das Video anzusehen, besuchen Sie die Videokollektion auf der ESOF Webseite (www.esof2010.org/webesof) oder verwenden Sie den direkten Link: http://tinyurl.com/3ynca4s Azim E et al. (2005) Sex differences in brain activation elicited by humor. Proceedings of the National Academy of Science of the USA 102(45): 16496-16501. doi: 10.1073/pnas.0408456102
Mobbs D et al. (2003) Humor modulates the mesolimbic reward centers. Neuron 40(5): 1041-1048. doi: 10.1016/S0896-6273(03)00751-7
Schultz W (2002) Getting formal with dopamine and reward. Neuron 36(2): 241-263. doi: 10.1016/S0896-6273(02)00967-4
Schultz W, Tremblay L, Hollerman JR (2000) Reward processing in primate orbitofrontal cortex and basal ganglia. Cerebral Cortex 10: 272-283. doi: 10.1093/cercor/10.3.272
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, stöbern Sie doch in anderen Sonderartikeln von Science in School. Siehe: www.scienceinschool.org/features Dr. Eleanor Hayes ist Chefredakteurin von Science in School. Sie hat an der Universität Oxford Zoologie studiert und das Studium mit einer Doktorarbeit über die Ökologie der Insekten abgeschlossen. Anschließend arbeitete sie einige Zeit in der Universitätsleitung, bevor sie nach Deutschland zog und im Wissenschaftsjournalismus Fuß fasste; ursprünglich für eine Bioinformatik-Firma und anschließend für eine Gelehrtengesellschaft. 2005 wechselte sie an das European Molecular Biology Laboratory, um Science in School zu gründen. Rezension Reagieren Frauen und Männer unterschiedlich auf Humor? Haben Jungen einen anderen Sinn für Komik oder verstehen Mädchen die Witze besser? Dies könnte ein interessantes Projekt für den Biologieunterricht sein. Dieser Artikel kann Schülern helfen, über mögliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Sachen Humor nachzudenken, sowie darüber, wie man sie untersuchen kann. Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich eine Wissenschaft des Humors gibt? Andrew Galea, Malta
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