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Tödliche Proteine: PrionenSubmitted by celius on 27 July 2010
Übersetzt von Hildegard Kienzle-Pfeilsticker
Die Krankheit ist eine Variante der Creutzfeld-Jacob-Krankheit (vCJK), einer Erkrankung aus einer Gruppe von Krankheiten, die als transmissible (übertragbare) spongiforme Enzephalopathien (TSE) bekannt sind. Sie werden verursacht und übertragen durch abnorme Formen von Prion-Proteinen. Beispiele für TSE sind nicht nur vCJD, sondern auch Scrapie der Schafe, bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE oder Rinderwahn) bei Rindern, Kuru beim Menschenw1. Diese Krankheiten erzeugen große, flüssigkeitsgefüllte Räume im Hirngewebe, weil die Akkumulation fehlgeformter Prion-Proteine das Absterben von Neuronen (Nervenzellen) verursacht. Diese charakteristischen, durchlöcherten Strukturen geben den Krankheiten ihre Namen: spongiforme (wie ein Schwamm) Enzephalopathien (Hirnkrankheiten). TSEs beeinträchtigen das zentrale Nervensystem, wodurch Symptome wie Koordinations- und Balanceprobleme, Unsicherheit und ruckartige Bewegungen auftreten. Beim Menschen verursachen TSEs auch Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen, Betroffene können unter Verwirrung, Gedächtnisproblemen und Schlaflosigkeit leiden. Das Fortschreiten der Krankheit führt zum Verlust der meisten geistigen Fähigkeiten, inklusive der Sprechfähigkeit. Alle TSEs führen zum Tod und eine Therapie ist noch nicht in Sicht.
Prionen sind die einzigen bekannten, sich selbst verbreitenden pathogenen (krankheitsauslösenden) Proteine und sie sind in der Lage eine schwere Krankheit auszulösen, obwohl sie scheinbar nur Proteinmoleküle sind: anders als bei Bakterien, Viren oder anderen bekannten Pathogenen ist in ihnen keine Information in Nukleinsäuren (wie DNA oder RNA) gespeichert, die sagt, wie sie in ihrem Wirt eindringen und sich darin vervielfältigen sollen. Prionen umgibt immer noch ein Geheimnis und es ist unklar, wie genau sie sich vervielfältigen, wie sie die Blut-Hirn-Schranke und die Gattungsbarriere überwinden – das heißt, wie sie verschiedene Wirtsgattungen infizieren können.
Warum haben manche Wissenschaftler Angst vor einer vCJD-Epidemie? Der Prionen-Stamm, der am meisten Sorgen bereitet, ist der, der vCJD auslöst – eine Form des Rinderwahns, die die Gattungsgrenzen überschritten und Menschen infiziert hat (siehe Kasten).der erste Fall von vCJD tauchte im UK 1996 auf und hat dort seither 168 Menschen getötet, mit dem Gipfel im Jahr 2000, als 28 Menschen starbenw3. Weniger Menschen starben daran in anderen Ländern wie Frankreich, Italien, Irland, Kanada und den USA. Die genauen Zahlen Infizierter oder Verstorbener aufgrund dieser Krankheit weltweit sind nicht bekannt und obwohl immer och Unsicherheit darüber herrscht, wie man sich ansteckt, geht man davon aus, dass der Hauptinfektionsweg der Genuss infizierten Rindfleisches ist.
Anzahl der vCJD-Fälle (noch Lebende) Die meisten anderen Prionen-Krankheiten, „normale“ CJD eingeschlossen, haben genetische Ursachen oder treten ohne erkennbare Gründe auf und betreffen ältere Leute. Die vCJD unterschiedet sich von CJD, weil sie junge Leute betrifft und man die fehlgeformten Prionen nicht nur im Gehirn, sondern auch in Geweben wie Blut, Zunge und Blinddarm findet; neue Übertragungswege in der gesamten Population werden dadurch möglich, nicht nur bei älteren Leuten.
Daher können wir uns vCJD scheinbar über mehrere Wege zuziehen, obwohl das Risiko wahrscheinlich gering ist. Aber sind wir alle gleich stark gefährdet? Mehrere Studien haben gezeigt, dass vCJD nur Leute mit bestimmten Varianten (Allelen) eines einzelnen Gens (prnp) krank macht; andere Leute scheinen resistent zu sein oder nicht so schnell die Symptome zu entwickelnw4. Beunruhigend ist, dass etwa 40% der westeuropäischen und 92% der japanischen Bevölkerung homozygot für diese Suszeptibilitätsallele sind. Zudem zeigen Forschungen an Kuru, dass sogar Menschen ohne das Suszeptibilitätsallel infiziert werden können und eben erst später Symptome entwickeln. Daher sind wir vielleicht alle empfänglich für eine Prionen-Infektion. Wegen all dieser möglichen Übertragungswege und Unsicherheiten über ihre tatsächlichen Bedeutung kommen die Ergebnisse von Studien, die die Anzahl vCJD-Toter voraussagen zu so unterschiedlichen Ergebnissen wie mehrere Hundert bis zu mehr als zehn Millionen Leuten. Obwohl die vCJD-Epidemie im UK abzuflauen scheint, könnten viele Leute infiziert sein und später Symptome entwickeln. Keiner weiß das sicher. Laufende Forschungen werden klären, wie riskant Prionen-Krankheiten für das Gesundheitswesen sindv. BSE (Rinderwahn) Wissenschaftler wurden auf BSE 1986 aufmerksam, als die ersten Fälle einer neuen neurologischen Krankheit in Rindern im UK entdeckt wurden. Die Ursache fand man in der Verfütterung von Rinderprodukten an Vieh. Während der darauf folgenden BSE-Epidemie wurden 181 376 Fälle von BSE im UK im November 2002 registriert und Millionen von Vieh wurde gekeult, um die Epidemie zu stoppen. Die ersten Fälle außerhalb des UK traten 1989 auf, seither gab es mehrere Tausend Fälle in anderen Ländern einschließlich der meisten europäischen Länder, den USA, Kanada, Japan und Israel. Jedoch wurde die Verfütterung von Rinderteile enthaltendem Futter im UK 1988 verboten und es gelten strenge Monitoringprozeduren, um BSE nachzuverfolgen. Die meisten Fälle von BSE wurden im UK 1992 registriert (32 280 Fälle). Seither ist ihre Zahl stark gesunken (12 Fälle 2009). Die Zahl der Erkrankten in anderen Ländern erlebte ihren Höhepunkt einige Jahre später (2001-2003), hat aber seither auch stark abgenommenw5. Referenzen Franscini N et al. (2006) Prion protein in milk. PLoS ONE 1: e71. doi: 10.1371/journal.pone.0000071 Gatti JL et al. (2002) Prion protein is secreted in soluble forms in the epididymal fluid and proteolytically processed and transported in seminal plasma. Biology of Reproduction 67: 393-400. doi: 10.1095/biolreprod67.2.393 Ligios C et al. (2005) PrPSc in mammary glands of sheep affected by scrapie and mastitis Nature Medicine 11: 1137–1138. doi: 10.1038/nm1105-1137 Mortimer D, Barratt CLR (2006) Is there a real risk of transmitting variant Creutzfeldt–Jakob disease by donor sperm insemination? Reproductive BioMedicine Online 13: 778–790 Si K et al. (2010) Aplysia CPEB can form prion-like multimers in sensory neurons that contribute to long-term facilitation. Cell 140: 421-435. doi: 10.1016/j.cell.2010.01.008 Wang F et al. (2010) Generating a prion with bacterially expressed recombinant prion protein. Science 327: 1132-1135. doi: 10.1126/science.1183748 Internet-Referenzen w1 – Informationen über Kuru erhält man auf der Webseite des US National Institute of Neurological Disorders and Stroke: www.ninds.nih.gov/disorders/kuru 1976 erhielt Carleton Gajdusek den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über Kuru. Mehr Informationen sind zugänglich in der Presseerklärung, seiner Autobiografie, Nobelpreis-Rede und anderen Materialien auf der Nobelpreis-Webseite. Siehe: http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1976 w2– Sie erfahren mehr über die Arbeit von Stanley Prusiner aus der Presseerklärung, seiner Autobiografie und anderen Materialien auf der Nobelpreis-Webseite. Siehe: http://nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1997 w3 – Statistische Daten über die berichteten Fälle von BSE und Todesfälle durch vCJD sind auf der Webseite des European Centre for Disease Prevention and Control erhältlich: (www.ecdc.europa.eu) oder via den direkten Link: http://tinyurl.com/yjbx8tn w4 – Mehr über die genetische Disposition, Prionen-Krnakheiten zu entwickeln erfährt man auf der Webseite der Prionen-Abteilung des UK Medical Research Council (www.prion.ucl.ac.uk) oder man benutzt den direkten Link: http://tinyurl.com/yaqau4a w5 – Statistics on BSE and many other animal diseases are available on the website of the World Organisation for Animal Health: www.oie.int Weiterführende Materialien Mehr Informationen über Prionen sind erhältlich auf den Webseiten der US Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/dvrd/prions Um mehr über BSE zu lernen siehe die Webseite der Weltgesundheitsorganisation: www.who.int/zoonoses/diseases/bse/en Möglicherweise interessante wissenschaftliche Publikationen sind:
Die Kochschen Postulate wurden im späten 19. Jahrhundert von Robert Koch publiziert. Zu einer neueren Diskussion über die Postulate und ihrer Gültigkeit siehe:
Alle Artikel auf dem Gebiet der Biologie in Science in School findet man unter: www.scienceinschool.org/biology Rezension Viele Leute haben von vCJD oder Rinderwahn gehört, wissen aber wenig über das auslösende Agens und die Krankheit selbst. Dieser Beitrag erklärt die Krankheit und zitiert aktuelle Forschung über das auslösende Agens, ein Prion. Dies wird für das Thema Infektionskrankheiten vieler wissenschaftlicher Lehrpläne und für das Allgemeinwissen in anderen Themengebieten nützlich sein. Die Links zu BSE-Daten könnten im Mathematikunterricht oder zum Erlernen der Erstellung aussagekräftiger Schaubilder aus Daten genutzt werden. Der artikel eignet sich für Diskussionen über Lebensmittelsicherheit, die Wirkung des Ausbruchs der Krankkheit auf britische Rinderfarmer sowohl als auch Grundlage zum Verständnis und Erweiterung des Wissens. Einige Vorschläge zur Verbesserung des Verständnisses sind:
Ideen für weiterführendes Arbeiten sind:
Shelley Goodman, UK
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