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Mit Karrieren jonglieren: Wissenschaft und Lehrberuf in DeutschlandSubmitted by celius on 02 July 2010
Übersetzung von Hildegard Merkle
Das weiß auch Jörg Gutschank nur allzu gut. Wenn er nicht gerade Physik, Mathematik und Computerwissenschaft an einem Gymnasium, dem Leibniz-Gymnasiumw1, unterrichtet, dann findet man ihn beim Jonglieren, Einrad fahren oder sogar bei waghalsigen Stunts am Fliegenden Trapez! „Jonglieren, Varieté und Zirkuskünste waren schon immer ein Hobby von mir, auch während der Zeit meines Physikstudiums – oder vielleicht gerade deswegen,” sagt Jörg, der seit 2004 am Gymnasium unterrichtet. Während meiner Doktorandenzeit hatten ein Freund und ich die Idee, unsere Hobbys mit unserem Beruf zu verbinden – wir waren beide Physiker – und 1999 beflügelte uns die Werbung für eine Veranstaltung mit dem Titel ‚Physik auf der Bühne‘w2, die an der Europäischen Organisation für Kernforschung [CERN] in Genf stattfand.“
Der abschließende Test war dann die Kostümprobe an der Universität Dortmund; danach wurde die gesamte Ausrüstung eingepackt und für die große Veranstaltung zum CERN geschickt. „Diese erste ‚Physik auf der Bühne‘-Veranstaltung war eine großartige und inspirierende Erfahrung,“ sagt Jörg. „Ich traf viele Lehrer, die darauf brannten, sich über ihre wunderbaren Ideen über den Lehrberuf und über Physik auszutauschen.“
Während Marcus bei der Firma blieb und sie leitete, schlug Jörg einen anderen Weg ein. „Nach drei großartigen Jahren habe ich entschieden, dass ich wirklich Lehrer sein möchte, weil ich weiterhin mit Menschen arbeiten und etwas Nützliches für die Gesellschaft tun wollte, und so bewarb ich mich für das ‚Seiteneinstieg‘-Programm, das es Wissenschaftlern ermöglicht, in eine Lehrerausbildung zu wechseln,“ sagt Jörg. Neben seinen Kernfächern unterrichtet Jörg jetzt auch Wissenschaft und Robotik an seiner Schule, einer weiterführenden Sekundarschule oder Gymnasium. „Ich persönlich bevorzuge es, selbst zu entscheiden, was ich unterrichte. Aus diesem Grund gebe ich meinen neuen Fächern den Vorzug gegenüber den traditionellen Fächern, Physik und Mathematik, denn es gibt keine offiziellen Lehrpläne für Wissenschaft und Robotik,“ sagt er. „Es ist einfach wunderbar, wenn man diese Wahlfreiheit hat, und ich gebe dies gern an meine Schülerinnen und Schüler weiter, indem ich sie über jene Details entscheiden lasse, die sie tun möchten. Das ist nur bei Fächern ohne einen offiziellen Lehrplan möglich.“
“In einem anderen Projekt mussten die Kinder Dinge über ihren Körper herausfinden. Sie beantworteten Fragen wie: ‚Warum brauchen wir zwei Augen beim Ball spielen und was geschieht, wenn wir ein Auge schließen?‘ Auf diese Art und Weise konnten die Schülerinnen und Schüler den Unterschied erkennen, wie es ist, wenn man den Ball mit einem Auge oder mit beiden Augen fängt.“ Der Unterricht in diesen Fächern wird durch ein spezielles Profil der Schule ermöglicht, das eine zusätzliche sprachliche und wissenschaftliche Ausbildung anbietet und die Schule ab diesem Schuljahr zu einer IB Weltschule macht. „Das bedeutet, dass wir zusätzlich zum deutschen Abschlusszertifikat [Abitur] auch das Internationale Bakkalaureat Diplom-Programm unterrichten,” sagt Jörg. „Da wir gerade erst damit anfangen, sind wir in der Lage, sehr kleine Gruppen zu unterrichten, was ich bevorzuge. Ich werde einen Physikkurs für nur fünf Schülerinnen und Schüler geben – vier von ihnen sind, nebenbei bemerkt, weiblich – und ich freue mich darauf, eine so kleine Gruppe zu unterrichten.“ Obwohl solche Arbeitsbedingungen beneidenswert sind, muss Jörg sich eingestehen, dass es beim Wissenschaftsunterricht immer noch ein paar sehr spezielle Herausforderungen gibt, die es zu überwinden gilt. „Ich glaube, es ist am allerwichtigsten, dass wir nicht den Eindruck vermitteln, die Wissenschaft sei etwas Fertiges, das auswendig gelernt werden muss, sondern dass sie etwas ist, das sich entwickelt und ständig hinterfragt werden muss,“ sagt er. „Dies kann nur funktionieren, wenn der Lehrer den Schülerinnen und Schülern gegenüber eingesteht, dass auch er nicht alles weiß und dass es nicht darum geht, etwas zu wissen, sondern etwas zu hinterfragen und Wege zu finden, um Probleme zu lösen. Indem die Dinge aus dem täglichen Leben eingebunden werden und die Wissenschaft hinter dem alltäglichen Leben der Schülerinnen und Schüler aufgezeigt wird, schafft man eine großartige Möglichkeit, helle Köpfe zu begeistern und Fragen über alles Mögliche zu stellen.“
Web-Referenzen w1 – Die Webseite des Leibnitz Gymnasiums lautet: www.leibniz-gym.de w2 – Im Jahr 2005 wurde die Veranstaltung „Physik auf der Bühne” erweitert und heißt nun „Wissenschaft auf der Bühne”. „Wissenschaft auf der Bühne“ ist das Partnerprojekt von Science in School und wurde von den sieben Forschungsorganisationen des EIROforum (www.eiroforum.org) organisiert und von der Europäischen Kommission unterstützt. Das Projekt wurde zu „Wissenschaft auf der Bühne Europa“ weiterentwickelt. Mehr Information erhalten Sie unter www.scienceonstage.net und www.scienceonstage.eu w3 – Erfahren Sie mehr über Physikanten & Co unter: www.physikanten.de Weiterführende Materialien Weitere Information über Jörg erhalten Sie auf seiner Webseite: www.school.gutschank.eu Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, möchten Sie vielleicht weitere Lehrerprofile in Science in School lesen: www.scienceinschool.org/teachers Vienna Leigh studierte Linguistik an der Universität von York, Großbritannien, und machte ihren Masterabschluss in zeitgenössischer Literatur. Sie verbrachte mehrere Jahre als Journalistin in London und war außerdem als Schriftstellerin, Herausgeberin und Layoutgestalterin im Verlagswesen mit den Schwerpunkten Reiseliteratur und Nachschlagewerke tätig. Seit einigen Jahren arbeitet Vienna Leigh als Information & Publications Officer am European Molecular Biology Laboratory und ist Herausgeberin des Newsletters EMBL&cetera. Rezension Dieser Artikel bietet eine interessante Sicht auf die eigentümlichen Wege, die man in Richtung Lehrberuf einschlagen kann. Er gab mir Ideen für die Arbeit mit unserer Tanz- und Sportabteilung, um einige Anwendungen in der Physik zu illustrieren. Im Besonderen mag ich Jörgs Nachdruck auf die Wichtigkeit der Frage, nicht auf der Antwort. Devon Masarati, Großbritannien
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