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Ingwerlimonade: ein traditionsreiches und alkoholarmes Gebräu
Submitted by rau on Tue, 2008-07-29 09:02.
Biology | Chemistry | German | Interdisciplinary | Issue 8 | Teaching activity
Übersetzt von Stefan Mockenhaupt
Die Vorgänger der modernen kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke wurden oftmals zu Hause gebraut. Im Großbritannien des späten 19. Jahrhunderts wurden gegorene Getränke mit geringem Alkoholgehalt als „kleine Biere“ bezeichnet. Diese zu trinken war gewöhnlich sicherer als Wasser, da dieses häufig kontaminiert war. Ingwerlimonade kam ursprünglich aus England in der Mitte des 17. Jahrhunderts und wurde weltweit exportiert. Dies wurde durch die Verwendung von harten tönernen Flaschen ermöglicht, die mit einer wasser- und luftdichten Glasur versiegelt waren (auch „Bristol Glasur“ genannt). Die britische Verbrauchssteuerregelung von 1855 sah vor, dass das Getränk nicht mehr als 2% Alkohol enthalten solle, und normalerweise war es noch weit weniger stark: aus diesem Grunde wurde Ingwerlimonade bei Kindern sehr beliebt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es fast in jeder Stadt des Vereinigten Königreichs kommerziell hergestellt. Dieses „Bier“ wurde häufig von Straßenhändlern verkauft, und es wurde teilweise mit Hilfe einer „Biermaschine“ verteilt – ein ausgeklügeltes Gerät das aussah wie ein aufrecht stehendes Klavier mit Bierzapfhähnen, das von Ponys durch die Straßen gezogen wurde. Im Jahre 1935 gab es mehr als 3000 Ingwerlimonadenproduzenten im Vereinigten Königreich. Heutzutage jedoch stellt nur noch ein einziges britisches Unternehmen dieses traditionell gebraute Produkt her – die moderne „Ingwerlimonade“ wird jedoch gewöhnlich mit Geschmacksstoffen versetzt und künstlich mit unter Duck stehendem Kohlenstoffdioxid begast. Es gibt viele verschiedene Rezepte für Ingwerlimonade; die Grundzutaten sind Ingwer, Zitrone, Zucker und Hefe. Die echte Ingwerlimonade wird aus frischer Ingwerwurzel gemacht (Zingiber officinale), oft auch mit anderen Geschmacksrichtungen wie Wacholder (Juniperus communis), Lakritz (Glycyrrhiza glabra) oder Chili (Capsicum annuum), was dem Produkt den besonderen Pfiff gibt. Manchmal wird Schafgarbe (Achillea millefolium) benutzt, um das Wachstum von Bakterien zu verhindern (dies war auch die Praxis für normales Bier bis man anfing Hopfen zu verwenden). Jamaikanische Ingwerlimonade wird manchmal mit Limone anstelle von Zitrone gemacht. Das folgende Rezept ist für einen Liter, aber es kann nach Belieben mengenmäßig vergrößert oder abgeändert werden – manch einer meint, der Ingwer solle gerieben werden anstatt in Scheiben geschnitten und zerquetscht. Andere empfehlen, die Mischung zu kochen, bevor die Hefe zugegeben wird, um mehr Geschmacksstoffe aus den Zutaten zu extrahieren.
Ingwer enthält die scharfe Substanz Gingerol, welches dieselbe Struktur wie Capsaicin aus Chili und Piperin aus Pfeffer besitzt. Erhitzen überführt Gingerol in das weniger scharfe Zingeron; Trocknen wandelt es in Shogaol um, welches etwa doppelt so stark schmeckt. Die Theorie besagt, dass sich diese Stoffe zur Abwehr von Pflanzenfressern entwickelt haben, da sie in hohen Konzentrationen für die meisten Säugetiere abstoßend wirken.
Zusatzuntersuchungen Diese praktische Aktivität kann als Startpunkt für andere praktische Untersuchungen genutzt werden, einige davon sind technologischer Natur. Beispiele:
AnbieterAlle Materialien, die zur Herstellung von Ingwerlimonade benötigt werden, können im Supermarkt, auf dem Markt oder bei einem Anbieter für Ausrüstung zur Weinproduktion erstanden werden. Denken Sie aber daran, dass Ingwerlimonade traditionellerweise nicht mit reiner Hefe hergestellt wurde, sondern mit einer Mischkultur aus Lactobazillen und Hefen, die manchmal auch als „Ingwerlimonadenpflanze“ oder „Bienenwein-Kultur“ bezeichnet wird. Diese gleicht einer Kefir-Kultur und kann aufrechterhalten werden und anderen Leuten gegeben werden, die auch Ingwerlimonade machen möchten. Die „Ingwerlimonadenpflanze“ wurde beschrieben in: Ward HM (1892) The ginger beer plant and the organisms composing it. Philosophical Transactions of the Royal Society of London. B 183: 125–197 Der UK National Collection of Yeast Cultures (Nationale Hefesammlung des Vereinigten Königreichs; www.ncyc.co.uk/beeswine.php)zufolge ist die derzeit einzige sichere kommerzielle Quelle für diese Kultur in Europa die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ). Dort wird ein spezieller Preis für den Bildungskauf angeboten, DSMZ Nr. 2484 (www.dsmz.de/microorganisms/html/strains/strain.dsm002484.html). QuellenFür ein ausgezeichnetes Rezeptbuch für nichtalkoholische gegorene Getränke siehe: Es beinhaltet Tipps für das Abfüllen, die Sauberkeit und die Produktion von Konzentraten aus den Rohzutaten. A large, world-renowned and authoritative text on all aspects of food culture and chemistry is: Die Wikipediaseite zu Ingwerlimonade (Englisch) ist: http://en.wikipedia.org/wiki/Ginger_beer Für die Yahoo! Gruppen Website zu „Ingwerlimonadenpflanzen“ siehe: http://health.groups.yahoo.com/group/GingerBeerPlant/ RezensionAls ich noch in der Schule war, schien es immer irgendjemanden zu geben, der eine „Ingwerlimonadenpflanze“ in seiner Schulbank hatte – wehe ihm, falls es explodierte! Dieser interessante und ausgezeichnete Artikel beschreibt, wie man Ingwerlimonade mit Hilfe von alltäglichen Dingen einfach ohne „Ingwerlimonadenpflanze“ hergestellt werden kann. Der praktische Teil kann dazu benutzt werden, verschiedene Stufen wissenschaftlichen Verstehens zu ergänzen, von den Grundlagen der Sterilität bis zu Gärung, Atmung, mikrobiellem Wachstum und dem Effekt des pH-Werts auf das mikrobielle Wachstum. Die Zusatzuntersuchungen, die in diesem Artikel vorgeschlagen werden, wären ausgezeichnete Individualprojekte für 16- bis 18-jährige Schüler oder Gruppenprojekte für jüngere Schüler. Die Schüler sollten dazu ermutigt werden, ein kleines Poster über die antimikrobielle Wirkung eines Gewürzes zu erstellen und das Ganze auch praktisch zu erforschen. Fortgeschrittenere Schüler könnten die Stärke von Chilis und die chemische Verbindung Capsaicin untersuchen. Die Fülle an verschiedenen Aktivitäten, welche diese Übungsstunde bietet, macht es möglich, sie mehrfach sowohl mit derselben als auch mit unterschiedlichen Schülergruppen zu verarbeiten.
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