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Nanotechnologie in der SchuleSubmitted by rau on 13 October 2009
Übersetzt von Hildegard Kienzle-Pfeilsticker
Nanotecnologie ist zum populären Modewort in Wissenschaft und Politik geworden. Diese Schlüsseltechnologie wird nicht nur für eine der größten Innovationsquellen für Technik, Medizin und andere Bereiche gehalten, sondern auch für eine der größten Herausforderungen für das 21. Jahrhundert. Die Technologie wird von europäischen Universitäten und Ausbildungsprogrammen auf hohem Level bereits ausgiebig abgedeckt. Obwohl der Begriff Nanotechnologie vielen High-School-Studenten geläufig ist, wird der Stoff in europäischen Schulen nicht flächendeckend unterrichtet. Dieser Artikel beschreibt mehrere Initiativen, die zum Ziel haben, bei europäischen Wissenschaftslehrenden die Nanotechnologie mehr ins Bewusstsein zu rücken, und er beschreibt zwei Experimente aus der Nanotechnologie, die für das Klassenzimmer geeignet sind. Was ist Nanotechnologie? Nanotechnologie ist nicht wirklich neu. Sie arbeitet mit Teilchen und Prozessen in der Größenordnung von 10-9 m (1 Nanometer), in der Dimension von Molekülen und Atomen – ein Maßstab mit dem Chemiker, Biochemiker und Zellbiologen schon seit Jahrhunderten arbeiten. Im Nanobereich können sich die Materialeigenschaften ändern. Beispielsweise sind Härte, elektrische Leitfähigkeit, Farbe oder chemische Reaktivität winziger Materialpartikel vom Durchmesser abhängig. Spezifische Funktionalitäten können daher durch Verminderung der Partikelgröße auf 1-100 nm erreicht werden.
Initiativen für Schulen Für Wissenschaftslehrer sind bereits einige Materialien erhältlich, um Studenten in die Nanotechnologie einzuführen. Allerdings werden die Materialien meist in der Landessprache veröffentlicht. Beispielsweise bietet die Saarlab Initiativew1Labortage für ganze Schulklassen an, während europäische Wissenschaftsmuseen und Wissenschaftszentrenw2 Ausstellungen über Nanotechnologie anbieten oder bringen, wie die deutsche Initiative nanoTruckw3, Interessierte dem Thema mit mobilen Ausstellungen näher, die für öffentliche Veranstaltungen gebucht werden können. Einige Universitäten, wie die University of Cambridgew4, bieten Schulbesuche, interaktive Vorlesungen, Seminare und Workshops an. Zusätzlich gibt es viele Quellen online, die Informationen, Filme und Spiele für Schüler und Studenten anbietenw5.
Der experimentelle Schul-Kit enthält 14 Versuche und fünf Darstellungen der folgenden Themen:
Obwohl die Experimente vor allem für den Chemieunterricht gedacht sind, sind dank der interdisziplinären Struktur der Nanotechnologie manche von ihnen auch für den Physik- oder Biologieunterricht geeignet. Es folgen zwei Beispiele. Ferrofluide
Anmerkungen zur Sicherheit
Nanogold Forscher machen sich die Licht absorbierende Eigenschaft von Goldpartikeln zunutze. Beispielsweise können Antikörper mit Goldpartikeln markiert werden. Im weißen Licht wird die rote Farbe der Metallpartikel sichtbar. Diesen Effekt macht man sich in manchen Schwangerschaftsselbsttests zunutze, bei denen Gold-Nanopartikel über den Teststreifen fein verteilt sind. Der UltiMed®-Schwangerschaftstest beispielsweise beruht auf diesem Prinzip, um humanes Choriongonadotropin (hCG) nachzuweisen, das in der frühen Schwangerschaft vom befruchteten Ei und der Gebärschmutterschleimhaut abgegeben wird. hCG besteht aus zwei Untereinheiten: α und β. Auf dem Teststreifen sind α-Untereinheiten von hCG immobilisiert, die eine rote Linie bilden, wenn eine Schwangerschaft besteht. An anderer Stelle auf dem Streifen befinden sich mit kolloidalen Goldpartikeln markierte Anitkörper, die spezifisch für die β-Untereinheit von hCG sind.
Im folgenden Experiment werden wir Goldcluster im Nanomaßstab herstellen, die leicht durch ihre rubinrote Farbe erkennbar sind. Ein Weg, Nanogold herzustellen, ist die Citratmethode, die hier beschrieben ist. Damit kann man entweder kolloidales Gold oder Goldcluster in Lösung herstellen. Ein Cluster, oder Nanopartikel, ist ein Verbund von 3 bis 50 000 Atomen. Üblicherweise liegt der Durchmesser von Gold-Nanopartikeln zwischen 12-18 nm. Sind die Cluster räumlich in einem anderen physikalischen Medium verteilt, dann spricht man von einem kolloidalen System.
Reaktionsgleichung für die Herstellung von GoldclusternMit freundlicher Genehmigung von Nicola Graf Das Experiment basiert auf einer Redoxreaktion von Goldtetrachlorid (auch bekannt als Tetrachlorogoldsäure oder Tetrachlorgoldsäure (III)-Trihydrat), bei dem die Goldionen zu atomaren Goldclustern reduziert werden. Das Reduktionsmittel Natriumcitrat (auch Trinatriumcitrat-Dihydrat genannt) reduziert nicht nur Gold, sondern wirkt auch als Dispersionsmittel, welches die gebildeten Goldcluster stabilisiert.
Materialien
Sicherheitshinweis: Goldchlorid ist ätzend und gesundheitsschädlich beim Verschlucken. Vorgehen
Die anfänglich rote Farbe der Goldchloridlösung intensiviert sich bis tiefrot. Bei Temperaturen zwischen 85 und 90 °C, dauert es etwa 5 Minuten bis sich die Farbe ändert; bei 100 °C geht es noch schneller. Abhängig von der Größe der gebildeten Partikel kann die Farbe violett statt rot werden.
Weitere ExperimenteWiederholen Sie das Experiment zum Vergleich mit 0,5 ml Goldchloridlösung und 50 ml destilliertem Wasser. Vergleichen Sie die Zeit bis zur Farbänderung. Wenn man in einem weiteren Experiment die Citratkonzentration erhöht, erzeugen die Kolloide einen violetten Farbton, das Ergebnis der Bildung einer anderen Kolloidgröße. Weitere Informationen: Für weitere Informationen nehmen Sie bitte Kontakt auf mit NanoBioNet e.V.: www.nanobionet.de Internetreferenzen w1 – Die deutschsprachige Webseite der Saarlab-Initiative finden Sie unter: www.saarlab.de w2 – Die Webseite für Ecsite, das europäische Netzwerk der Wissenschaftszentren, können Sie finden unter: www.ecsite.net w3 – Die nanoTruck-Webseite (auf deutsch oder englisch) können Sie aufrufen unter: www.nanotruck.de w4 – Für weitere Informationen über Nanowissenschaft aus der Universität Cambridge siehe: www.nanoscience.cam.ac.uk/schools w5 – Für eine Liste nützlicher Links zur Nanotechnologie für Schulen siehe: www.nanoscience.cam.ac.uk/schools/links.html w6 – Die Webseite von NanoBioNet e.V. finden Sie unter: www.nanobionet.de w7 – Für weitere Informationen zur NanoSchoolBox siehe: www.nanobionet.de/12105_11931.htm w8 – Ferrofluide können bei FerroTec GmbH bestellt werden: www.ferrofluid.de w9 – Für weitere Informationen über Nano2Life, dem ersten europäischen Exzellenznetzwerk der Nanobiotechnologie, siehe: www.nano2life.org Quellen Für eine weitere, mittelalterliche Anwendung der Nanotechnologie siehe:
Matthias Mallmann ist Verantwortlicher für Berufsausbildung im deutschen NanoBioNet-e.V.-Netzwerk. Ebenfalls ist er ist für die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb des EU-finanzierten Exzellenznetzwerks Nano2Life zuständigw9. Rezension Obwohl Nanotechnologie ein Modewort ist, von Europäern positiv eingeschätzt (siehe Eurobarometer-Umfrage 2005), hat Nanotechnologie für die meisten Leute, einschließlich Studenten, eine eher futuristische denn reale Bedeutung. Matthias Mallmanns Artikel, der mit alten, gefärbten Glasfenstern beginnt, geht das Thema auf liebenswürdige Weise an. Er spannt den Bogen von möglichen Quellen in Europa für den Nanotechnologieunterricht zu didaktischem Material (NanoSchoolBox) mit der Möglichkeit zu eigenen Experimenten. Diesen Artikel empfehle ich Lehrern der oberen Sekundarstufe im Wissenschaftsunterricht, die Nanotechnologie im Rahmen von realen Anwendungen einführen wollen. Das Material eignet sich auch für Studenten, die ihr Verständnis des Themas mittels der zitierten Webseiten vertiefen wollen. Stil und Niveau der Einzelheiten eignen sich für nicht-englische Muttersprachler, vorausgesetzt sie haben einen wissenschaftlichen Hintergrund. Mit den beschriebenen Beispielen und Vorschlägen können unterschiedliche Wissenschaftsbereiche (Physik, Chemie, Biologie) miteinander verbunden werden oder die Aktivitäten auf geschichtliche oder Aspekte aktiver Bürgerbeteiligung (Sicherheitsthemen) ausgeweitet werden. Giulia Realdon, Italien
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